Köfer will in Kärnten 2018 mit neuem Parteinamen antreten

26. Oktober 2015, 10:11
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Team Stronach-Landesrat: "Kein Bereich in Kärnten ohne Probleme" – Mit Team Stronach auf Bundesebene kein Kontakt mehr, aber regelmäßige Telefonate mit "Frank"

Klagenfurt – Das Team Stronach will bei der kommenden Landtagswahl in Kärnten fix an den Start gehen – und zwar unter dem Namen "Gerhard Köfer – Team Kärnten". Das kündigte Landesrat Gerhard Köfer im APA-Interview an. Damit sei auch die Abnabelung vom Team Stronach auf Bundesebene endgültig. Kein gutes Haar lässt Köfer an der rot-schwarz-grünen Koalition in Kärnten: "Es gibt keinen Bereich ohne Probleme."

Vor der für 2018 geplanten Landtagswahl werde das Team Stronach vor allem den Kontakt zu Bürgerinitiativen in ganz Kärnten suchen. "Bürgerinitiativen entstehen meist bei Gemeinderatswahlen. Aber wenn es um Landesthemen geht, haben sie keinen Ansprechpartner", sagt Köfer, der eine "politische Marktnische" wittert: "Es sind viele politisch interessierte Nichtwähler unterwegs und denen musst du ein entsprechendes Angebot machen. Leute, die nicht mehr zur Wahl gegangen sind, müssen angesprochen werden, das ist eine Größenordnung von 30, 40 Prozent." Rund 560.000 Euro Schulden habe das Kärntner Team Stronach noch, das werde man aber in den nächsten zwei Jahren abbezahlen. "Für 2018 ist dann alles möglich, uns unterschätzt niemand."

Bis dahin stehe für die Landespartei aber einmal im kommenden Jahr ein Landesparteitag mit Neuwahlen an. "Spitzenkandidats-Debatte wird es wohl keine geben", gibt sich Köfer selbstsicher. Parteiobmann werde aller Voraussicht nach Gerhard Klocker bleiben, außer es gebe einen zweiten Bewerber. "Aber Klocker macht seine Arbeit gut, wenn er sich bewirbt, hat er große Chancen. Ich würde seine Bewerbung unterstützen." Zur Bundespartei habe man jetzt schon keinen Kontakt mehr, so Köfer: "Vielleicht gibt es ein Like auf Facebook, wenn ein positives Bild oder ein Artikel gepostet wird."

Freundschaftlich verbunden

Freundschaftlich verbunden sei Köfer aber weiterhin mit Ex-Parteichef Frank Stronach. "Wir telefonieren einmal im Monat oder gehen auf einen Kaffee. Dann unterhalten wir uns am wenigsten über Politik, sondern über Fußball, wirtschaftliche Themen oder Pferde." Stronach habe bei einigen Themen Recht gehabt: "Vor drei Jahren hat er vor der Griechenland-Krise, vor den Flüchtlingsströmen und vor der Rekordarbeitslosigkeit gewarnt. Alles, was er in den Diskussionen gebracht hat, hat sich bewahrheitet."

Seine eigene Arbeit als Referent für Straßenbau und Fischereiwesen beurteilt Köfer als "mehr als erfolgreich". Man habe das Straßenbaureferat, das oft negativ in den Schlagzeilen gewesen sei, in eine "Vorzeigeabteilung" verwandelt: "Das war früher bekannt für Spatenstichfeiern ohne Ende." Als wichtigste Eckpunkte seiner Arbeit nennt der Team Stronach-Mandatar die Reduktion des Fuhrparks um 20 Prozent, die Kooperation mit den Kärntner Gemeinden und die Verleihung des Ethik-Gütesiegels. Dennoch mache sich der Spardruck auch im Straßenbau bemerkbar: "Wir haben das geringste Budget der Nachkriegszeit. Es war schon niedrig angesetzt und wurde dann noch einmal dramatisch gekürzt." Dass er sich zu Beginn der Legislaturperiode unzufrieden mit seinen Referaten gegeben hat, möchte Köfer heute nicht mehr an die große Glocke hängen: "In Wahrheit war Straßenbau ein Wunschreferat. Du musst dich unzufrieden zeigen, damit der politische Gegner davon überzeugt ist, das richtige gemacht zu haben. Schon als Bürgermeister war es immer meine Lieblingsbeschäftigung, etwas Neues zu bauen", so das ehemalige SPÖ-Gemeindeoberhaupt von Spittal/Drau.

Hart ins Gericht geht Köfer mit der Kärntner Regierungskoalition: "Kärnten ist auf einem Weg, den man sich vor fünf Jahren noch nicht hat träumen lassen. Flüchtlinge, HCB, Hypo, Sozialwesen, Gesundheit, Arbeitslosigkeit, zugesperrte Volksschulen und Polizeidienststellen – der Straßenbau ist das einzige, das funktioniert", zählt Köfer auf. Alles, was man früher angeprangert habe, werde fortgesetzt. Er, Köfer, würde wissen, wie es geht: "In den 16 Jahren als Bürgermeister habe ich kein einziges unausgeglichenes Budget vorgelegt. Aber im Land verzichtet man gerne auf den Rat anderer."

So wie beim Thema Sparen: "In Kärnten machen wir derzeit keine Reformen, wir machen Taschenpfändungen." Man sollte sich zuerst mit den Personalvertretern der Landesbediensteten zusammensetzen und mit Privilegien aufräumen, die "in der Privatwirtschaft undenkbar" wären. Weiters schweben Köfer die Zusammenlegung von Abteilungen und ein striktes Sparprogramm bei der Parteienförderung vor. Auch die Kultur hat er im Visier: "Mit der Carinthischen Musikakademie, dem Klagenfurter Stadttheater, dem Landesmuseum reden wir von Prestigeeinrichtungen, die man in dieser Form nicht weiterführen kann."

In der Diskussion um die Flüchtlinge bekrittelt der Team-Stronach-Landesrat, dass es "keinen Plan B" gebe. "Wenn Deutschland die Grenzen schließt, dann muss Österreich das auch machen. Aber nicht zeitverzögert, sondern in der gleichen Minute." Köfer hält für Kärnten eine Zahl von 5.000 Flüchtlingen vertretbar. Dennoch: "Man soll Leute ernst nehmen, die Angst haben. Die Flüchtlinge kommen und werden mehr, aber die Begeisterung der Bevölkerung ist im Sinken." Er und seine Frau würden gerne Flüchtlinge unterrichten und Patenschaften übernehmen.

Sollte Köfers Partei den Einzug in den Landtag nicht mehr schaffen, so hat er selbst noch keine dezidierten Pläne. "Politik ist etwas Unberechenbares. Ich habe vor der Politik Möglichkeiten gehabt, eine gute Ausbildung zu genießen." Seine größte Hoffnung ist, dass alle gesund bleiben. "Dann fällt mir schon was ein. Man muss sich nicht wirklich Gedanken machen um mich." (APA, 26.10.2015)

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