Schlussbericht der Familiensynode mit 94 Vorschlägen

25. Oktober 2015, 11:02
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Von Homosexualität über Biotechnologien bis Pädophilie

Vatikanstadt – Das Abschlussdokument der Bischofssynode über Ehe und Familie ist am Samstag mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet worden. In insgesamt 94 Punkten fasst das Dokument die Positionen der Bischöfe rund um die soziale Situation der Familien, den gesellschaftlichen Wandel und die religiöse Orientierung zusammen. Hier die Schwerpunkte des Schlussberichts:

Wiederverheiratete Geschiedene:

Was den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen betrifft, spricht sich der Text dafür aus, die Situation der Paare von "Fall zu Fall" zu beurteilen und ruft dazu auf, sie stärker in der Kirche zu integrieren. Allerdings ist nicht explizit von einem Ende des bisher gültigen Prinzipes die Rede, Wiederverheirateten die Kommunion zu verwehren.

Homosexuelle:

Zu dieser für die Kirche heiklen Frage äußerte sich das Dokument nur in einem einzigen Passus. Es bekräftigt lediglich die Forderung, dass jeder Mensch unabhängig von seiner sexuellen Orientierung mit Respekt behandelt werden müsse – und beschäftigt sich damit, wie Priester Familien unterstützen können, die Angehörige mit "homosexuellen Tendenzen" haben. Die Heirat zwischen Homosexuellen lehnt der Text aber klar ab.

Alleinerziehende:

Laut dem Dokument müsse die Kirche Familien mit einem einzigen Elternteil zur Seite stehen. Unabhängig von der Ursache, wegen der ein Elternteil allein mit dem Kind lebe, müsse die Kirche Unterstützung und Trost spenden.

Frauen:

Die weibliche Emanzipation stelle eine neue Herausforderung dar, geht aus dem Dokument hervor. Die Aufgaben der Eheleute und ihre gemeinsame Verantwortung gegenüber dem Familienleben müssten deshalb überdacht werden. Eine "stärkere Betonung der Verantwortung der Frauen im Rahmen der Kirche" könne zur sozialen Anerkennung der Frau beitragen, heißt es.

Biotechnologien:

Die Synode-Väter warnen vor der Gefahr durch "Manipulation" im Bereich Fortpflanzungstechnologien. In diesem Zusammenhang müsse das Bewusstsein gefördert werden, "dass der Mensch von Gott stammt und ständig in seiner Anwesenheit lebt".

Familienpolitik:

Die Politik müsse Familien unterstützen und sie als prioritär betrachten. Zugleich müssten die Beschlüsse der Familien bezüglich der "Erziehungsfreiheit" respektiert werden. Die Politik dürfe nicht "die Rechte der Familien beschränken". Wichtig sei es, jene zu unterstützen, die sich im sozial-politischen sowie im kulturellen Bereich für die Förderung der Familie engagieren.

Pädophilie:

Die Kirche bestätigt ihre Linie der "Null Toleranz" gegenüber Pädophilie. In Bezug auf Gewalt in der Familie wird die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit mit der Justiz zur Klärung der Fälle hervorgehoben. Zugleich müsse man betroffenen Familien unterstützen.

Schönborn soll vermittelt haben

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, und der emeritierte Papst Benedikt XVI. sollen eine wesentliche Rolle bei der Suche nach einem Kompromiss für den Schlussbericht der am Sonntag zu Ende gegangenen Familiensynode gespielt haben. Dies berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Montag.

Benedikt und Schönborn, der laut dem Blatt als möglicher Papst-Kandidat bei einem nächsten Konklave gilt, hätten sich vergangene Woche getroffen. Laut "Repubblica" könnte Benedikt Druck auf den konservativen Flügel der Synodenväter unter der Leitung des deutschen Kardinals Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, ausgeübt haben, damit es zu keiner Spaltung in der Synode komme. Müller sei für Sicht Josef Ratzingers besonders sensibel, meinte "La Repubblica".

"Das errungene Resultat ist ein wahres Wunder", kommentierte Pater Thomas Rosica, Direktor der katholischen Nachrichtenwebsite "Salt & Light" und Mitarbeiter des Vatikanischen Presseamtes das Ergebnis. Vor allem, dass der heikle Passus zu den wiederverheirateten Geschiedenen mit Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet worden sei, sei beachtenswert.

Laut dem emeritierten Erzbischof von Sao Paolo, Kardinal Claudio Hummes, ist die Verabschiedung des Schlussberichts und der damit verbundenen Einigung zwischen konservativen und weltoffeneren Tendenzen unter den Synodenteilnehmern eine wichtiges Zeichen dafür, dass die Kirche Franziskus unterstützt. "Dieser Schlussbericht ist ein Startpunkt, von dem aus Franziskus seine Reform der Kirche fortsetzen kann", betonte Hummes.

Aus der Synode gehe eine stärkere Kirche hervor. Diese lebe im Bewusstsein, dass das Evangelium in die Welt gebracht werden müsse. "Wenn die Kirche nicht den Leiden der Menschen nahe steht, ist sie steril. Das haben die Synodenväter klar begriffen", so Hummes.

Mit einer Messe im Petersdom hat Papst Franziskus die vor drei Wochen eröffnete Familiensynode am Sonntag offiziell beendet. In seiner Predigt rief er die Synode-Väter auf, den begonnenen Weg gemeinsam weiterzugehen. "Gehen wir weiter auf dem Weg, den der Herr wünscht. Erbitten wir von ihm einen geheilten und erlösten Blick, der Licht zu verbreiten weiß", appellierte der Papst an die Teilnehmer. Die Synode-Väter verabschiedeten einen Schlussbericht mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit der 270 Teilnehmer. Das Zwei-Drittel-Quorum wurde für alle 94 Punkte des Berichts erreicht. (APA, 25.10.2015)

  • Mit einer Messe schloss Papst Franziskus am Sonntag die Familiensynode.
    foto: apa/ferrari

    Mit einer Messe schloss Papst Franziskus am Sonntag die Familiensynode.

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