Googles neues Management: "Die Arschlöcher sind weg"

24. Oktober 2015, 09:22
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Der frischgekürte CEO Sundar Pichai setzt auf ein umgänglicheres Führungsteam

Die Atmosphäre im Silicon Valley ist rau. Da werden massenhaft Mitarbeiter der direkten Konkurrenz abgeworben, Löhne mit firmenübergreifenden Mauscheleien niedrig gehalten und "Untergebene" wegen leicht verfehlter Ziele vor die Tür gesetzt. Auch in der höchsten Firmenebene werden brutale Umgangsformen gepflegt: Die Wutausbrüche von Apple-Mitgründer Steve Jobs sind legendär, sein früherer Geschäftspartner Steve Wozniak hätte ihn zu Lebzeiten gerne "als Arschloch" beschimpft, traute sich aber nicht. Auch Google-Mitgründer Larry Page gilt als Choleriker, für den ein humaner Umgang mit Mitarbeitern nicht an erster Stelle steht.

Umstrukturierungen

Doch die Zeiten des harten Management-Stils sind bei Google vorbei. Das belegen zahlreiche ehemalige Mitarbeiter und Geschäftspartner. Wie ein Ex-Manager gegenüber re:code pointiert verlautbart: "Alle Arschlöcher sind jetzt weg". Verantwortlich dafür zeichnet sich Sundar Pichai, der nach Googles großer Umstrukturierung (Gründung des Dachunternehmens Alphabet) zum CEO des Suchmaschinisten wurde. In den wenigen Monaten als Google-Chef hat Pichai nun bereits einige Umstrukturierungen vorgenommen – und erhält dafür viel Lob aus der Branche.

Fairness als Pluspunkt

So wurde beispielsweise Hiroshi Lockheimer zum Android-Chef gemacht. Ehemalige Kollegen, etwa Motorola-Präsident Rick Osterloh, schwärmen von ihm als "großartigen Typen", den man "sehr gern hat". So soll Lockheimer dafür gesorgt haben, dass alle Smartphone-Hersteller, die auf Android setzen, gleichberechtigten Zugang zu Entwicklungen des Betriebssystems haben – auch, als Motorola noch zu Google gehörte.

"Softes" Google?

Ein anderes Beispiel ist Philipp Schindler, der Googles Werbegeschäft leiten soll. Medienpartner beschreiben ihn als "kompromissbereit" und "umgänglich". Gelernt hat Schindler das in Europa, wo er Google jahrelang gegen Monopol-Vorwürfe aus Regierungskreisen verteidigen musste. Älterer Semester im Google-Umfeld befürchten laut re:code allerdings, dass ein "softes" Google wichtige Scharmützel verlieren wird. Doch die Zeit der ausgefahrenen Ellbogen ist vorerst vorbei. (red, 24.10.2015)

  • Google-Chef Sundar Pichai gilt als umgänglicher, fairer CEO
    foto: ap/fernandez

    Google-Chef Sundar Pichai gilt als umgänglicher, fairer CEO

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