Ratingagentur Moody's droht Österreich mit Verlust der Bestnote Aaa

24. Oktober 2015, 08:31
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Ausblick von stabil auf negativ gesenkt – Schelling fordert mehr Reformtempo

Wien – Moody's droht der Republik Österreich mit dem Verlust der Top-Bonitätsnote Aaa. Die US-Ratingagentur hat am Freitagabend den Ausblick von stabil auf negativ gesenkt. Begründet wird das Senken des Daumens mit der österreichischen Wirtschaft, die laut Moody's bis zum Ende des Jahrzehnts schwach bleiben dürfte. Die Ratingagentur sieht dadurch den Abbau der Staatsschulden gefährdet.

Österreichs Wirtschaft sei seit 2012 kaum gewachsen, so die Bonitätswächter von Moody's. Für den stotternden Konjunkturmotor finden sie drastische Worte: Die Widerstandsfähigkeit gegen Finanzschocks sei am Erodieren und hindere das Land, den in der Wirtschaftskrise verlorenen Rückstand aufzuholen.

Wirtschaftsleistung steigt

Moody's geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung – nach 0,4 Prozent heuer – 2015 um 0,7 Prozent steigt. Für den Zeitraum 2015 bis 2019 prognostiziert die Ratingagentur ein durchschnittliches Wachstum von 1,2 Prozent, deutlich weniger als vor der Krise. Zwischen 1999 und 2007 legte Österreichs Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut Moody's pro Jahr im Schnitt um 2,5 Prozent zu.

Vorerst behält die Republik Österreich bei Moody's aber die Bestnote Aaa. Die anderen beiden großen Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Fitch haben Österreich bereits auf ihre zweitbeste Note AA+ zurückgestuft.

Schelling: Schneller Resultate nötig

Für Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) ist die Bewertung ein offensichtlicher Beleg dafür, dass Österreich bei seinen Reformvorhaben schneller von Ankündigungen hin zu tatsächlichen Resultaten kommen muss. Im Kern der Analyse stünden vor allem der Schuldenabbau und die schwächelnde Wirtschaftsleistung, hieß es am Samstag in einer Aussendung.

Die internationale Ratingagentur werte die Steuerreform als Schritt in die richtige Richtung und bescheinige ebenso wie heimische Experten ihre positive Auswirkung, so die Bewertung in der Mitteilung des Finanzministeriums. Die Steuerreform könne aber nur ein erster Schritt gewesen sein, dem viele weitere folgen müssten, äußerte Schelling einen Reformappell, und ergänzte: "Moody's bescheinigt uns mit dem Triple A immer noch die höchste Bonität, aber der negative Ausblick muss jene wachrütteln, die den Reformbedarf in diesem Land nicht ernst genug nehmen."

Mehr Tempo

"Der verschlechterte Ausblick von stabil auf negativ ist ein Weckruf der Ratingagentur, dass wir in entscheidenden Bereichen konsequenter vorgehen müssen. Gerade die Sicherung des Pensionssystems und der Arbeitsmarkt stellen uns vor große Herausforderungen. Hier müssen wir jetzt mehr Tempo machen und notwendige Schritte setzen", so Schelling, der anfügte: "Besonders beim Rating, das für viele Investoren als Gradmesser für die Attraktivität eines Standortes herangezogen wird, darf Österreich nicht ins Mittelfeld fallen. Auch hier muss Österreich wieder an die Spitze. Das geht aber nur, wenn wir unsere Hausaufgaben konsequent abarbeiten." (APA, 24.10.2015)

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