"Müssen uns für 24 Punkte nicht verteidigen"

23. Oktober 2015, 19:25
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Austrias Trainer über Kritik an Mannschaft verärgert. Rapid will wie gegen Pilsen auftreten

Wien – Die Austria liegt in der Bundesliga mehr als im Plansoll. Nach dem ersten Meisterschaftsdrittel steht dank 24 Punkten Platz zwei zu Buche. Sogar der international groß aufspielende Erzrivale Rapid liegt aktuell hinter den Violetten. Und aus Sicht der Violetten soll dies auch nach dem 315. großen Wiener Derby im Happel-Stadion am Sonntag (16.30 Uhr/live ORF eins und Sky) so bleiben.

"Die Mannschaft ist nach den drei Siegen gut drauf. Wir wissen, worum es geht", betonte Trainer Thorsten Fink vor dem prestigeträchtigen Aufeinandertreffen. Dreier gegen den WAC (1:0), in Altach (2:1) und gegen Grödig (2:1) haben seine Austrianer in der Tabelle Boden gut machen lassen. Rapid, zuletzt national nicht top, wurde in der Vorwoche überholt.

"Wir müssen besser stehen"

Und das, obwohl die Hütteldorfer im ersten Saisonvergleich einen 5:2-Sieg aus Wien-Favoriten entführten. Es war die zweite schwere Derby-Pleite für die Austria nach dem 1:4 zum Ausklang der Vorsaison. Laut Fink wurde die jüngste Niederlage, als die Austria dem Gegner bei Gegenstößen viel zu viel Raum ließ, aufgearbeitet. "Wir müssen besser stehen. Daran haben wir in letzter Zeit gearbeitet", betonte der Deutsche.

Verzichten muss die Austria auf Innenverteidiger Vance Sikov. Der Mazedonier laboriert an einer Muskelverletzung im Oberschenkel, für ihn rückt Richard Windbichler in die Start-Elf. Fraglich war auch Offensivmann Larry Kayode, der gegen Grödig einen Schlag auf den Oberschenkel erhielt und deshalb nur teilweise mit der Mannschaft trainieren konnte. Ein Ausfall des schnellen Nigerianers würde die Austria sicher treffen.

"Es muss alles passen"

"Wir wollen nicht nur destruktiv agieren. Man kann Rapid schlagen, aber es muss alles passen, damit man eine Chance hat", meinte Fink über die taktische Ausrichtung. Dass der Gegner in der Liga zuletzt Probleme hatte, blieb auch beim Stadtrivalen niemandem verborgen. "Wir wissen über ihre Schwierigkeiten in der Meisterschaft. Die sie auch nach Europacupspielen immer wieder haben. Wir wollen das ausnutzen, das ist klar", sagte Fink. Dennoch: "Wir konzentrieren uns in erster Linie auf unsere Leistung."

An Spekulationen über einen nach dem Europa-League-Einsatz gegen Viktoria Pilsen (3:2) vielleicht müden Gegner wollte sich Fink nicht beteiligen. Weit interessanter fand er die von Sportdirektor Franz Wohlfahrt vorgebrachten Statistiken zur bisherigen Austria-Saison. Diese weisen die Wiener in Bereichen wie Torschüssen oder Flanken als Liga-Spitze aus. Für Fink ein klarer Beleg dafür, dass seine Mannschaft auf einem guten Weg ist.

"Wir müssen uns nicht verteidigen, dass wir 24 Punkte haben", stellte der Deutsche fest. Einig war sich die sportliche Führung der Austria, dass noch genug Platz für Verbesserung bestehe. Wohlfahrt hielt aber ebenso wie sein Trainer fest: "Wir sind mit dem Ergebnis bis jetzt durchaus zufrieden."

Rapid mit neuem Schwung

Nicht wirklich zufrieden waren zuletzt hingegen die Grün-Weißen, für die es in der Liga nicht nach Wunsch lief. Ausgerechnet im 315. Wiener Derby wollen die Hütteldorfer nun nach zwei Niederlagen in Folge zurück auf die Siegerstraße. Der Schwung vom 3:2 gegen Viktoria Pilsen am Donnerstag soll mitgenommen werden.

"Es ist kein Nachteil, dass wir gestern gespielt haben. Ich bin überzeugt, dass wir frisch sein werden", blickte Rapid-Trainer Zoran Barisic optimistisch nach vorne. Neue Ausfälle gab es im Lager der Grünweißen keine zu beklagen, es könnte daher im Happel-Stadion prinzipiell die am Donnerstag siegreiche Mannschaft neuerlich das Vertrauen erhalten. Zu erwarten ist aber trotzdem, dass Rapids Trainer wohl den ein oder anderen Spieler ins Team rotiert.

"Wir werden jeden Spieler genau unter die Lupe nehmen", ließ sich Barisic nichts entlocken. Auf die Frage ob Abwehrchef Mario Sonnleitner wieder die Bank drücken muss, blieb eine konkrete Antwort aus. "Wir haben drei Topinnenverteidiger, spielen aber nur mit zwei. Einer muss daher immer draußen sitzen."

"Um 500 Prozent besser"

Der Auftritt gegen den tschechischen Meister hat dem Liga-Dritten jedenfalls viel Selbstvertrauen gegeben. "Wir haben gezeigt, dass wir um 500 Prozent besser spielen können, als gegen den WAC", freute sich Barisic. Und Sportdirektor Andreas Müller war vor allem von den ersten 45 Minuten positiv angetan: "Das war mit eine der besten Hälften, die ich hier erlebt habe." Daran gelte es nun anzuschließen. "Wir wollen gegen die Austria genauso auftreten wie gegen Viktoria Pilsen, wo sehr viele Dinge gut waren", gab Barisic die Marschroute vor.

Der Gegner konnte sich die ganze Woche in Ruhe auf das Duell mit dem Erzrivalen vorbereiten. "Es ist Fakt, dass die Austria uns öfter gesehen hat, als wir die Austria. Im Derby gibt es aber keinen Favoriten", erklärte Barisic. Worauf seine Schützlinge besonders aufpassen müssen, weiß er genau. "Sie sind bei Standards sehr gefährlich und im Umschaltverhalten, wenn du Bälle leichtfertig verlierst." (APA, 23.10.2015)

SK Rapid Wien – FK Austria Wien (Ernst-Happel-Stadion, Sonntag, 16.30 Uhr/live ORF eins und Sky, SR Lechner). Bisheriges Saisonergebnis: 5:2 (a). Saison 2014/15: 2:2 (a), 2:3 (h), 1:2 (a), 4:1 (h)

Rapid: Novota – Auer, Sonnleitner, Dibon, Stangl – Petsos, Schwab – Schaub, S. Hofmann, F. Kainz – Jelic

Ersatz: Knoflach – M. Hofmann, Pavelic, Grahovac, Huspek, Alar, Schobesberger, Prosenik, Tomi

Es fehlen: Schrammel, Kuen (beide nach Kreuzbandriss), Nutz (Knieverletzung)

Austria: Almer – F. Koch, Windbichler, Rotpuller, Martschinko – Holzhauser – Gorgon, Kehat, A. Grünwald, Zulechner – Kayode/Friesenbichler

Ersatz: Hadzikic – De Paula, Salamon, Serbest, Vukojevic, Meilinger

Es fehlen: Sikov (Muskelverletzung im Oberschenkel), Ronivaldo (Schambeinentzündung)

Fraglich: Kayode (nach Schlag auf den Oberschenkel)

  • Thorsten Fink: "Wir konzentrieren uns in erster Linie auf unsere Leistung."
    foto: apa/dpa/marcus brandt

    Thorsten Fink: "Wir konzentrieren uns in erster Linie auf unsere Leistung."

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