Bank Austria: Umstrukturierung mit oder ohne Bawag

23. Oktober 2015, 18:00
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Der Vorstand der Bank soll sich den Teilverkauf "nicht wünschen". Die Ex-Bank-Austria-Aktionäre kämpfen seit 2008 um mehr Geld

Wien – Die Pläne der Mailänder Unicredit für ihre Österreichtochter Bank Austria (BA) waren am Donnerstagabend vorrangiges Thema bei einer Informationsveranstaltung für Filialleiter des Instituts. Der von den BA-Eigentümern erwogene Verkauf des Privatkundengeschäfts an die Bawag sei eine von mehreren Optionen; aber jene, die sich der österreichische Vorstand nicht wünsche, wurde den Bankern dort von Helmut Bernkopf (Chef des Privat- und Firmenkundengeschäfts) sinngemäß beschieden.

Wie berichtet gibt es aber zwischen den Italienern und den Vertretern des US-Fonds Cerberus (Haupteigner der einstigen Gewerkschaftsbank) Gespräche über einen solchen Deal. Sollte der nicht kommen, so hieß es in der Veranstaltung, werde man den bisherigen Kurs weiterfahren. Das Institut hat, wie oft berichtet, im Rahmen ihres Programms "Bank Austria 2020" massiv Arbeitsplätze abgebaut und Filialen geschlossen.

Privatkundensparte wird angereichert

Allerdings stehen nun weitere Umstrukturierungen an, und zwar im Privat- und Firmenkundengeschäft. Kleine und mittlere Firmenkunden sowie Freiberufler werden ab 2016 dem Privatkundenbereich zugeordnet – es geht um Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu drei Mio. Euro. Durch diese Übersiedlung könne die Sparte Privatkunden profitabel gemacht werden – genau jener Bereich also, auf den die amerikanischen Bawag-Aktionäre nun ein Auge geworfen haben. Zum Firmenkundengeschäft werden künftig also nur noch die 12.000 großen Unternehmenskunden ressortieren. Dieser Schritt kommt auch, wenn aus dem Bawag-Deal nichts werden sollte.

Die Stimmung in der Belegschaft ist schlecht. Sie muss sich bis zum 11. November gedulden, erst da werden die Mailänder ihre Strategie- und Sparentscheidungen bekannt geben. "Aber egal, welche Variante kommt: Es wird ein Blutbad", spitzt ein Wiener Banker seine Erwartungen zu.

Ex-Aktionäre kämpfen seit 2008

Differenzen mit der Unicredit gibt es auch auf einer ganz anderen Bühne, die freilich schon lange nicht mehr beleuchtet ist. Seit mehr als sieben Jahren kämpfen ehemalige BA-Aktionäre um eine Erhöhung der Abfindung, die sie von den Italienern nach dem Rückzug der BA von der Börse im Mai 2008 bekommen haben. Kurzer Rückblick: Die Unicredit hat den Streubesitz via Zwangsausschluss (Squeeze-out) um 129,4 Euro je Aktie ausgekauft, was sie rund eine Milliarde Euro kostete. 72 Aktionäre haben das nicht akzeptiert und das im Aktiengesetz vorgesehene Überprüfungsverfahren initiiert. Die dafür eingesetzte Schlichtungskommission ("das Gremium") hat aber bis heute das Gutachten nicht erstellt, das sie "unverzüglich" zur Angemessenheit des Abfindungspreises machen lassen muss. Erst wenn es eine solche Expertise gibt (und kein Vergleich zustande gekommen ist), folgt ein Gerichtsverfahren.

Einer der Anlegeranwälte, Wolfgang Leitner, hat daher beim Handelsgericht Wien beantragt, dem Überprüfungsgremium eine Frist zur Gutachtenserstattung vorzugeben. Das Gericht hat das Ansinnen abgewiesen, es sei nicht zuständig.

Recht auf faires Verfahren verletzt?

Leitner sieht in dem langen Verfahren einen Verstoß gegen die europäische Grundrechtecharta, in der das Recht auf ein faires Verfahren festgeschrieben ist. Mit dieser Meinung hat er sich an den Obersten Gerichtshof (OGH) gewendet, wie er erzählt, auch der sehe sich "nicht zuständig". Was Leitner besonders kritisiert: Das "Gremium", das übrigens in den Kellersitzungsräumen der FMA tagt, habe den Antrag abgelehnt, mit dem die Anlegeranwälte erfahren wollten, wie viel Unicredit dem Fonds Polygon draufgelegt hat. (Polygon hat wie berichtet 2013 ein Schiedsverfahren mit der Unicredit verloren; per Vergleich aber trotzdem einen Aufpreis bekommen, angeblich 14 Euro je Aktie.) Der Antrag wurde zurückgewiesen. Fortsetzung folgt. (Renate Graber, 23.10.2015)


  • Bank-Austria-Chef Willibald Cernko ist nicht in die Gespräche mit Cerberus involviert. Der Bank stehen in jedem Fall harte Zeiten bevor.
    foto: reuters/bader

    Bank-Austria-Chef Willibald Cernko ist nicht in die Gespräche mit Cerberus involviert. Der Bank stehen in jedem Fall harte Zeiten bevor.

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