"Flüchtlinge gehen, Nachbarn bleiben"

23. Oktober 2015, 17:38
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Kooperationsanlauf zwischen Slowenien, Kroatien und Serbien vor dem Balkangipfel

Zagreb/Ljubljana – Vor dem Gipfel über die Balkan-Fluchtroute diesen Sonntag in Brüssel versuchen Kroatien und Slowenien die Kooperation zu verbessern. In den vergangenen Tagen hatte Ljubljana die Flüchtlingspolitik der Regierung in Zagreb kritisiert, weil die kroatischen Behörden oft keine Informationen übermittelt haben. Zuletzt waren Flüchtlinge sogar in dem Fluss Sutla gelandet, den sie durchwaten mussten.

Der slowenische Außenminister Karl Erjavec schrieb nun seiner kroatischen Amtskollegin Vesna Pusić und bat um einen stärkeren Dialog zwischen den Nachbarn. Erjavec bestätigte, dass Slowenien über Schutzzäune an der Grenze nachdenken würde. Man könne aber die Probleme nicht mit Drahtzäunen lösen, meinte er. Premier Miro Cerar warnte davor, dass weiterhin Flüchtlinge von Kroatien ungeordnet an die slowenische Grenze geschickt würden, weil dieses "nichteuropäische Verhalten" gefährlich sei und zu Konflikten führen könne.

120 Soldaten in Sentilj

Slowenien schickte indes 120 Soldaten an die Grenze nach Sentilj, sie sollen bei der Koordination helfen. Insgesamt sind 650 Armeeangehörige im Einsatz. Auch in die wegen der Flüchtlingskrise angespannten Beziehungen zwischen Kroatien und Serbien kam Bewegung. Am Freitag trafen einander der kroatische Innenminister Ranko Ostojić und sein serbischer Amtskollege Nebojša Stefanović an der gemeinsamen Grenze. Vereinbart wurde, dass die Flüchtlinge künftig schneller aus dem serbischen Sid mit Zügen in das neue winterfeste Aufnahmezentrum nach Slavonski Brod gebracht werden sollten. Beide Politiker waren sich einig, dass die Probleme in Griechenland, das anders als Serbien und Kroatien Schengenmitglied ist, gelöst werden müssten.

Stefanović betonte, dass Serbien bessere Beziehungen zu Kroatien wolle, man brauche nicht immer einer Meinung sein, und sich zu lieben. "Aber wir müssen zusammenarbeiten, weil Flüchtlinge kommen und gehen, aber Nachbarn bleiben." Der kroatische Premier Zoran Milanović hatte den Bau eines Grenzzauns nicht ausgeschlossen. (awö, 23.10.2015)

  • Flüchtlinge in Berkasovo an der serbischen Grenze warten darauf, nach Kroatien einreisen zu können. Die Innenminister der beiden Staaten trafen einander.
    foto: reuters / marko djurica

    Flüchtlinge in Berkasovo an der serbischen Grenze warten darauf, nach Kroatien einreisen zu können. Die Innenminister der beiden Staaten trafen einander.

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