"Menschenkinder": Vom Sterben und von Doppelrollen

26. Oktober 2015, 15:00
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Zwölf neue Folgen von André Hellers "Menschenkinder" ab Montag auf ORF 3

Wien – "Ich möchte", sagt Grischka Voss, "vom Sterben erzählen." Und sie erzählt. Vom Sterben, vom Leiden, vom Humor, von der Verzweiflung, vom Elend und dem schrecklichen Ausgeliefertsein von Patienten und Angehörigen im Krankenhaus. Sie erzählt von der Liebe – und vom Leben. Von dem Gefühl, wenn man einen Sterbenden begleitet: "Der Tod gehört ganz natürlich zum Leben dazu. Man spürt, dass es schön ist, die Erlösung."

Innerhalb weniger Monate verlor die Schauspielerin und Regisseurin ihre Eltern. Burgstar Gert Voss starb am 13. Juli, seine Lebensliebe, ihre Mutter Ursula Voss, in der Nacht vom 6. auf 7. November, wenige Tage nach ihrem 67. Geburtstag: "Sie wollte zu meinem Vater."

André Heller hat Grischka Voss in seine Reihe der Menschenkinder aufgenommen, dieser wie aus der hektischen Fernsehtalkzeit gefallenen Gespräche. Rund sechzig Minuten schütten ihm seine Gäste ihre Gedankenwelten, Zufallsentscheidungen, Ängste, Lebensentwürfe, Kindheitserinnerungen – kurz: ihr Herz – aus. Als Zwischenschnitte nur ein paar Erinnerungsfotos. Kein Schnickschnack. Gedreht wird in Hellers Wohnung. Keine hörbaren Fragen. Nur hörenswerte Antworten.

Persönlichkeitsfantasien

Nun ist diese "Bibliothek" der Erinnerungen" um zwölf Lebensgeschichten erweitert worden, dar unter so unglaubliche wie die von Asfa-Wossen Asserate, Bestsellerautor, politischer Analytiker – und Großneffe des letzten Kaisers von Äthopien, Haile Selassie. Sicher, die Politiker Karl Blecha und Hannes Androsch, die er ebenfalls eingeladen hat, sind nicht gerade öffentlichkeitsabstinent und sprechen gern in vorgehaltene Mikrofone. Auch über Conchita Wurst meint man aus Funk und Fernsehen ausreichend informiert zu sein, dank ihrer glamourösen Auftritte und feinziselierten Auskünfte. Kennt man. Glaubt man. Falsch.

"Ich kann jeden Charakter leben, den ich erfinde": Vermutlich noch nie hat Conchita Wurst, die im Vorspann als "Gesangsdiva und Rätselwesen" vorgestellt wird, ihre multiplen Persönlichkeitsfantasien geoutet: Da gibt es die Oxford-English sprechende Eleonore White, "die gut darin ist, böse zu sein". Oder den Reiseführer Alfred Michelbeuern, der den Touristen weismachen möchte, ganz Wien sei aus Styropor. Neu dazugekommen ist die Hietzinger Hofratswitwe Genoveva; die spukt ihr aber noch ohne Nachnamen durch den Kopf.

"Ich liebe es, begehrt zu werden", sagt Conchita, die als kleiner Bub Frauenstimmen liebte und beim Ministrieren die Lust am Kleidertragen ausleben konnte. "Aber ich würde keine erotische Situation zulassen. Das Konzept von Conchita ist ein asexuelles." (Andrea Schurian, 26.10.2015)

Sendetermine

26. 10. Conchita Wurst

1. 11. Grischka Voss

11. 11. Asfa-Wossen Asserate

25. 11. Wolf Wondratschek

2. 12. Josef Winkler

21. 12. Elfriede Ott

22. 12. Martin Weber

23. 12. Ilija Trojanow

4. 1. Karl Blecha

5. 1. Hannes Androsch

6. 1. Elke Heidenreich

7. 1. Max Gruber

  • Grischka Voss: "Ich hatte manchmal das Gefühl, Eltern für meine Eltern zu sein".
    foto: orf

    Grischka Voss: "Ich hatte manchmal das Gefühl, Eltern für meine Eltern zu sein".

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