Liberale Kräfte in der Bischofssynode in der Defensive

24. Oktober 2015, 08:00
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In den dreiwöchigen Gesprächen im Vatikan zeigte sich einmal mehr, dass die Konservativen in der katholischen Kirche sich keinen Meter bewegen wollen

"Synode" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "gemeinsamer Weg". Doch die Bischofsversammlung in Rom zeigte eher Trennendes auf. "Mit großer Betroffenheit und Trauer haben wir die öffentlichen Äußerungen einzelner Synodenväter zu Personen, Inhalt und Verlauf der Synode wahrgenommen", schreibt die deutschsprachige Arbeitsgruppe in ihrem Schlussbericht. "Die gebrauchten Bilder und Vergleiche sind nicht nur undifferenziert und falsch, sondern verletzend. Wir distanzieren uns entschieden." Der Arbeitsgruppe gehört auch der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn an, eine der prominentesten Reformkräfte.

Der direkte Ton ist ein Hinweis darauf, wie viel Frust sich bei vergleichsweise liberalen Bischöfen angestaut hat. Sinn und Zweck der Synode wäre es gewesen, starre Moralvorstellungen zu Familie und Sexualität zu hinterfragen und im Hinblick auf die Seelsorge (nicht auf die Lehre) Lösungen zu erarbeiten. Angesichts der schwierigen Lage, in der sich viele Familien heute befinden, könne es die Kirche nicht mit dem Wiederholen der immergleichen Regeln bewenden lassen, hatte Papst Franziskus schon vor einem Jahr betont.

Große Ernüchterung

Betrachtet man nun die Vorschläge der dreizehn Arbeitsgruppen, kehrt Ernüchterung ein. Vorschläge – wie der des deutschen Kardinals Walter Kasper, wiederverheiratete Geschiedene unter bestimmten Voraussetzungen zu den Sakramenten zuzulassen – finden sich nur noch sehr verwässert.

Und von einem anderen Reizthema, nämlich der Öffnung der Kirche gegenüber Homosexuellen, ist nur noch ganz verschämt am Ende des Dokuments die Rede. Der für Samstag erwartete Schlussbericht der Synode zuhanden des Papstes – eine Synthese aller Berichte der dreizehn Arbeitsgruppen – dürfte noch zurückhaltender ausfallen.

"Verrat am Evangelium"

Letztlich haben sich jene durchgesetzt, die jede Änderung an der bisherigen Praxis als "Verrat am Evangelium" gebrandmarkt hatten. Franziskus' Strategie, seine Reformen im Dialog mit den Bischöfen zu verwirklichen, statt von Rom aus einfach anzuordnen, ist am Widerstand der Konservativen gescheitert. Man hat also drei Wochen miteinander geredet, ohne sich wirklich näherzukommen. Jetzt bliebe wohl nur noch ein Machtwort des Papstes.(Dominik Straub aus Rom, 24.10.2015)

  • Papst Franziskus konnte sich mit seinem Wunsch nach gewissen Reformen nicht durchsetzen.
    foto: afp photo / filippo monteforte

    Papst Franziskus konnte sich mit seinem Wunsch nach gewissen Reformen nicht durchsetzen.

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