Jazzsänger Mark Murphy gestorben

23. Oktober 2015, 15:59
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Der 1932 in Syracuse Geborene wurde 83 Jahre alt

Englewood – Mark Murphy war unter den US-Jazzsängern der subtile, differenzierte Erzähler. Bei dem 1932 in Syracuse Geborenen wurden die guten alten Jazzstandards regelrecht zu tiefen Minidramen, in denen Leben und Leiden ungeschminkt reflektiert und durchgelitten wurden. Wobei Murphy, den Sammy Davis Jr. entdeckte, der aber kommerziell immer etwas am Rande blieb, in seinen Erzählungen auch Sympathie für beboppige Linienführung durchschimmern ließ.

Die an schwierigen Phasen nicht arme Biografie konnte ab 2005 eine Art überraschend positive Wendung nehmen. Trompeter und Produzent Till Brönner brachte Murphy zum Major Label Universal und rückte ihn mit "Once to Every Heart" noch einmal ins internationale Rampenlicht.

Murphys textorientierte Kunst ging auch da in die Tiefe, Emotionen wurden im Sinne von Wunsch, Traum und Trauma neu befragt. Oberflächengesang war Murphy fremd, Melodien waren immer die zu öffnenden Archive authentischer Befindlichkeiten. Murphy untermauerte auch in seiner Spätphase, dass er einer der bedeutendsten Jazzsänger überhaupt war. Einer, für den einst Größen des Genres – wie etwa Betty Carter, Peggy Lee und Shirley Horn – hohe Wertschätzung empfanden. Mark Murphy ist am Donnerstag 83-jährig gestorben. (toš)

  • Mark Murphy im Jahr 2005.
    foto: universal

    Mark Murphy im Jahr 2005.

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