Glückspilz Gudenus

Kolumne23. Oktober 2015, 15:22
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Nicht amtsführender Vizebürgermeister, ein Traum von einem Job

Pilot, Schauspielerin, Popstar, Supermodel: Das war einmal. Der Traumberuf von heute ist das Amt eines nicht amtsführenden Vizebürgermeisters, so wie ihn der blaue Glückspilz Johann Baptist Björn Gudenus in Wien ergattert hat.

Wahrscheinlich ist nicht amtsführender Vizebürgermeister der einzige Beruf der Welt, bei dem das Einkommen daran gebunden ist, den Beruf nicht auszuüben. Bäcker backen, Schweißer schweißen, Zuhälter halten zu, lediglich Gudenus tut rein gar nichts und kassiert dafür. Gut, mit 9.441,60 € pro Monat liegt sein Salär unter der psychologisch wichtigen 10.000-Euro-Marke. Als geschickter Amtsinhaber wird er aber kein Problem haben, das Basisgehalt mit Taugenichts-Prämien, Owezahrer-Boni oder Windbeutel-Zulagen aufzufetten.

Wie wird man nicht amtsführender Vizebürgermeister? Humboldt bietet einen Nichtamtsführerschein auf Maturaniveau an, chancenreicher ist eine FH-Ausbildung zum Bachelor, Master oder PhD des Nichtamtsführens. Voraussetzung für eine Studienzulassung ist die Eignung, den Herrgott einen guten Mann und fünf gerade sein zu lassen. Ein Vorbereitungskurs in Däumchendrehen kann nicht schaden. Besonders talentierten Absolventen des Studiengangs steht ein postgradualer Fortbildungskurs ("Advanced Gudenus-Studies in Applied Non-Working Strategies") zur Disposition.

Unter uns gesagt: Mir ist es ja lieber, Gudenus übt sein Amt nicht aus und liest stattdessen in seiner Tagesfreizeit Mein Kampf, das Sensationsbuch des Norwegers Karl Ove Knausgard. Als Vizebürgermeister würde der Mann um unserer Sicherheit willen womöglich zur Übertreibung neigen und ein paar gschmackige Schutzstaffeln durch die Stadt paradieren lassen. Knüppel aus dem Sack! Damit die Neger nicht zu übermütig werden!

Das Einzige, was mich daran stört, dass Gudenus sein Amt nicht ausübt, ist, dass ich als Steuerzahler finanziell dazu beitragen muss, dass er es nicht ausübt. Jeden Monat den Gudenus-Groschen abliefern zu müssen ist eine herbe staatsbürgerliche Prüfung. Daher meine Mitteilung an die Finanzbehörden: Den Gudenus-Groschen werde ich künftig einbehalten. Ein Land, das sich einen nicht amtsführenden Vizebürgermeister leisten kann, wird sich wohl auch ein paar nicht zahlende Steuerzahler leisten können. (Christoph Winder, 24.10.2015)

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