Flut neuer Mobilfunker reißt nicht ab

29. Oktober 2015, 11:59
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Weitere Anbieter stehen in den Startlöchern – Unklarheit, wie viel Platz der Markt für Newcomer bietet

Seit Dienstag hat Österreich einen Mobilfunker mehr. Der Telekomanbieter Tele 2 drängt mit einem Angebot für Geschäftskunden auf den Markt und ist damit höchstwahrscheinlich der letzte Newcomer, der dieses Jahr an den Start geht.

Ohne großes Tamtam präsentierte bereits der Mobilfunker M:tel, dessen Haupteigentümer die Telekom Srbija ist, dieser Tage seine Angebote. Er will Kunden gewinnen, die hauptsächlich nach Serbien telefonieren. Dafür hat man sich in das Netz von A1 eingemietet. Zuvor starteten bereits UPC, Hot, Spusu, Eety und Allianz Sim als virtuelle Anbieter. Und das Wachstum geht weiter, für 2016 haben sich weitere Anbieter angesagt.

Nebenprodukt der Orange-Übernahme

Virtuelle Mobilfunker sind ein Nebenprodukt der Übernahme von Orange durch den Netzbetreiber "3". Die EU-Wettbewerbshüter haben "3" im Gegenzug für den Deal vorgeschrieben, sein Netz zu günstigen Bedingungen an Quereinsteiger zu vermieten. Seither vermieten auch A1 und T-Mobile ihre Infrastruktur.

Weitere Anbieter bei "3"

Am Horizont warten noch mehr Quereinsteiger. So sollen nach UPC und Spusu weitere Unternehmen Verträge mit "3" unterzeichnet haben, sagte Tele-2-Chef Alfred Pufitsch am vergangenen Freitag bei einer Pressekonferenz. Auf Nachfrage wollte "3" das gegenüber dem WebStandard nicht kommentieren.

A1 erhöht Ausgaben für Kundenbindung um 254,2 Prozent

Experten halten es für fraglich, dass der Markt noch Platz für zusätzliche Anbieter hat, da das Billigsegment klar von Hot und der A1-Marke Yesss dominiert werde und derzeit Kunden hauptsächlich mit Kampftarifen zu gewinnen seien.

Neben Hot konnte bisher kaum ein Newcomer eine erkleckliche Zahl an Kunden gewinnen. Ein Grund: A1 erhöhe seine Ausgaben für die Kundengewinnung um stolze 254,2 Prozent – im letzten Quartal legte der Handynetzbetreiber dafür 6,6 Millionen Euro auf den Tisch. Von derartigen Budgets können die neuen Anbieter nur träumen.

"Der Zweite ist immer der erste Verlierer"

"Der Zweite ist immer der erste Verlierer", sagte Hot-Gründer Michael Krammer bei der Vorstellung neuer LTE-Tarife. Bisher hat man bei Hot den Start neuer Anbieter nicht wahrgenommen. Er hat neben Hot auch Allianz-Sim aus der Taufe gehoben und tüftelt mit seiner Firma Ventocom an weiteren Deals. Anfragen gebe es zur Genüge, so Krammer.

Bisher haben die neuen Mobilfunker Bewegung in den Markt gebracht. So sinken Tarife wieder, und Angebote werden mit besseren Datenangeboten gepimpt. (sum, 29.10.2015)

Update 13:53: Der Artikel wurde präzisiert, dass A1 die Ausgaben für Kundenbindung erhöhte – und nicht allgemeine Werbeausgaben.

  • 2016 steigen weitere Newcomer in den Mobilfunkring.
    foto: ap

    2016 steigen weitere Newcomer in den Mobilfunkring.

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