Alzheimer-Risiko beeinträchtigt Orientierung im Raum

23. Oktober 2015, 12:50
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Träger eines Risikogens navigieren schon Jahrzehnte vor Alzheimer-Ausbruch anders – dies zeigt eine Studie mittels Magnetresonanz

Bochum – Demenz und Alzheimer werden zum zunehmenden Problem in unserer alternden Gesellschaft. Ein Hauptproblem neben starkem Gedächtnisverlust ist die zunehmende Desorientiertheit. Mit als Erstes von der Krankheit betroffen ist eine Hirnregion, die für die Navigation erforderlich ist. Dieses Hirnareal, der sogenannte entorhinale Kortex, enthält Zellen, die in einem räumlichen Gittermuster feuern, die "grid cells" – das ergaben bereits Tierstudien.

Bereits vor fünf Jahren zeigen Forscher der Radboud-Universität in Nimwegen (Niederlande) auch beim Menschen, dass das "grid cell"-System mittels funktioneller Magnetresonanztomografie indirekt erfasst werden kann, wenn Probanden in einer virtuellen Umgebung navigieren. Dieser Ansatz wurde nun weiterverfolgt.

Gittermuster bei Risikoträgern verändert

Ein Team aus Forschern der Unis Bochum, Bonn, Nimwegen und Ulm untersuchte das "grid cell"-System im entorhinalen Kortex von jungen Studierenden mit und ohne Alzheimer-Risikogen. "Die Risikoträger zeigten ein weniger stabiles Gittermuster im entorhinalen Kortex – und das Jahrzehnte, bevor bei ihnen möglicherweise die Alzheimer-Demenz auftreten könnte", sagt Lukas Kunz, der das Experiment am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn durchführte.

Darüber hinaus bewegten sich die Risikoträger weniger häufig in der Mitte der virtuellen Landschaft, was auf eine veränderte Navigationsstrategie hindeutet. Die Hirnaktivität im Gedächtnissystem war bei der Risikogruppe insgesamt erhöht. Das könnte als kurzfristige Kompensation der verminderten Gittermuster dienen, aber langfristig zur Entwicklung der Alzheimer-Demenz beitragen, so die Forscher.

Zurzeit ist es kaum möglich, die Alzheimer-Demenz zu behandeln. Ein potenzieller Grund: Medikamente werden erst dann gegeben, wenn bereits große Teile des Gehirns zerstört sind. Ziel ist es daher, die Alzheimer-Demenz früher zu erkennen und frühe Krankheitsstadien besser zu verstehen. Das APOE-Gen scheint eine wichtige Rolle bei der Krankheit zu spielen. (red, 23.10.2015)

  • Ein Risiko für Alzheimer (im Bild betroffene Nervenfasern) zeichnet sich möglicherweise schon Jahrzehnte vorher ab.
    foto: wikipedia/patho/(CC-Lizenz)

    Ein Risiko für Alzheimer (im Bild betroffene Nervenfasern) zeichnet sich möglicherweise schon Jahrzehnte vorher ab.

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