Körpereigenes "Cannabis" beeinflusst Diabetes-Risiko

23. Oktober 2015, 10:34
7 Postings

Endocannabinoide sind für viele Entwicklungsschritte bei ungeborenen Kindern verantwortlich – ein Überschuss führt jedoch zu Problemen bei der Glucose-Verarbeitung

Endocannabinoide, cannabis-ähnliche Substanzen, die vom Körper selbst produziert werden, können einen Effekt auf die Entwicklung der Bauchspeicheldrüse von Babys haben. Das ist das Ergebnis einer Studie, an der die MedUni Wien beteiligt war und die nun in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie derWissenschaften ("PNAS") veröffentlicht wurde.

Dem Team rund um Tibor Harkany vom Zentrum für Hirnforschung an der MedUni sei in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Polen, den USA, Italien und Schweden der Nachweis gelungen, dass Endocannabinoide die Entwicklung der Bauchspeicheldrüse von ungeborenen Babys direkt beeinflussen können, teilte die Medizinische Universität am Freitag in einer Aussendung mit. Die Studie zeige auch die Bedeutung einer Diät während der Schwangerschaft ab dem Zeitpunkt, an dem die Bauchspeicheldrüse gebildet wird.

Wichtige Botenstoffe

Bei Endocannabinoiden handelt es sich um Botenstoffe, die für etliche Entwicklungsschritte der Organe von ungeborenen Kindern verantwortlich sind. Eine mögliche Schattenseite dieser erst seit rund 20 Jahren bekannten Substanzen zeigt nun die Studie auf: Ein zu hoher Anteil von Endocannabinoiden im Blut könnte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Kinder später Schwierigkeiten bei der Verarbeitung von Glucose haben – und somit einem höheren Diabetes-Risiko ausgesetzt sind, hieß es in der Aussendung.

Ursache dafür sei, dass Endocannabinoide während der Bildung der Bauchspeicheldrüse sowohl die Zusammensetzung als auch die Größe der Langerhans-Inseln beeinflussen, die Insulin und Glucagon produzieren. "In unseren Versuchen ließen sich die Insel-Zellen durch die Zugabe von Molekülen, die das endocannabinoide Signaling regulieren, fast nach Belieben modulieren und bildeten funktionierende pankreatische Zellcluster", schrieb Erstautorin Katarzyna Malenczyk.

"Die Einnahme von ungesättigten Omega-3-Fettsäuren – wie zum Beispiel in Fischöl enthalten – kann werdenden Müttern behilflich sein, den eigenen Endocannabinoid-Level sowie jenen des Babys zu senken und so eine gut ausgebildete Bauchspeicheldrüse auszubilden", heißt es von der MedUni. Dieses neue Verständnis werde sicherlich bei der Erarbeitung von Strategien für die rechtzeitige Reparatur von verzögerter oder fehlgeschlagener Entwicklung der Bauchspeicheldrüse helfen.

Und es werde auch die pharmakologische Entwicklung von wirksamen Medikamenten beschleunigen: "Das therapeutische Potenzial ist jedenfalls großartig, und die Studie zeigt auch die exakte Reihenfolge der Abläufe, die einen lebenslangen Nutzen fördern", sagt Tibor Harkany. (APA, 23.10.2015)

Share if you care.