Ferrari 488 Spider: Der letzte Tag im Sommer

Ansichtssache23. Oktober 2015, 12:01
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Es gibt kein schöneres und aufregenderes Auto, um den letzten Tag im Sommer offen zu begehen, als den Ferrari 488 Spider. Der Himmel ist noch blauer, die Straßen sind noch schöner, der Soundtrack ist perfekt. Selbst die Radfahrer sind freundlich.

foto: ferrari

Wir trafen uns in einem kleinen Weingut in der Nähe von Forlì, wohin es die Freunde aus Maranello nicht allzu weit hatten, und an der Kante zu den Rebstöcken standen sie aufgereiht. Ein Ferrari 488 Spider neben dem anderen, offen, die ersten Sonnenstrahlen des Tages hatten den Morgentau von der Karosserie gewischt. Ich hatte um einen weißen Ferrari ersucht, weil mir der blaue als zu spektakulär und der rote als zu banal erschien, schließlich wollte ich nicht auffallen, nicht allzu sehr.

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foto: ferrari

Wer die Begeisterungsfähigkeit der Italiener kennt, weiß, wie herzlich man hier gegrüßt wird, wenn man mit dem richtigen Auto unterwegs ist. Wo anderswo zornig die Fäuste in der Luft geschüttelt werden, sobald man ein wenig den Motor röhren lässt, fliegen einem hier die Herzen zu, da wird gewunken, geklatscht und vor Freude in die Luft gesprungen. In den italienischen Nationalstolz hat sich Ferrari ganz tief hineingegraben.

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Ich bekam schließlich den Blauen zugewiesen. Die Frau von Ferrari meinte, mein Ego könnte das ganz gut vertragen. Und Blau sei schließlich die Farbe des Meeres und des Sommers. Ich könnte doch über den Sommer schreiben.

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foto: ferrari

Mit einem kurzen Aufschrei sprang der Wagen an. Rebhühner flogen auf, Jäger, die ihnen nachgestellt hatten, warfen fluchend die Flinten hinterher. Der Blaue brabbelte und sortierte die Töne schließlich zu einem Grummeln in Bariton.

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Jetzt muss man wissen: acht Zylinder. Man könnte auch sagen: nur acht Zylinder. Von Ferrari sind wir üblicherweise zwölf gewohnt. Ein neidiger Mensch könnte sagen, der Achtzylinder ist quasi der Volkswagen unter den Ferraris, aber dazu muss man sich verdeutlichen: knapp 700 PS, 670 sind es genau, und ein Turbolader, der kein Loch kennt, sondern beständig und erbarmungslos Leistung aufbaut. In drei Sekunden beschleunigt der Wagen von null auf hundert, in 8,7 Sekunden sind die 200 km/h erreicht. In der Tonart geht es dann bis 325 km/h weiter, das ist für ein Cabrio schon ein erstaunlicher, fast obszöner Wert.

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Gegen die These vom Volkswagen spricht abseits der herausragenden Fahrleistungen auch der ansehnliche Preis. Für die offene Version des Ferrari 488 GT werden in Österreich 292.797 Euro fällig. Nur zum Vergleich: Die geschlossene Variante, der GTB, kostet 264.677 Euro.

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Es ist übrigens kein Stoffverdeck im 488, sondern ein faltbares Hardtop. Abseits der Frischluft bietet der Spider akustisch einen recht direkten Zugang zu den Auslassungen, die der Mittelmotor direkt hinter dem Fahrer hervorbringt. Selbst bei geschlossenem Dach kann die Heckscheibe herabgelassen werden, um dem Motor zu lauschen.

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Der Blaue und ich verlassen das Weingut, streben gelassen talwärts, lassen die Städte und Dörfer hinter uns, erklimmen die einsamen Hügel, wo man schon ein bisschen röhren darf. Bei höherer Drehzahl steigt auch die Tonlage, wir verlagern uns Richtung Sopran, aus dem warmen, dumpfen Grollen wird ein scharfer, schneidender Ton, aus dem Brüllen ein freudig jubilierendes Kreischen. In den Bergen begegnen wir einer Gruppe von Radfahren, sie haben uns schon hinter sieben Hügeln kommen gehört, sie haben die Räder abgelegt, sich aufgestellt und machen die Welle, als der Ferrari um die Kurve schwänzelt.

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Was den Ferrari so einzigartig macht und ihn über die Konkurrenz anderer Hersteller von Sportautos und auch von Supersportwagen hebt, ist die absolute Präzision, mit der hier Leistung umgesetzt wird. Das beginnt bei der eigentlichen Leistungsentfaltung und der Drehmomententwicklung. Der Motor reagiert so unmittelbar auf das Gaspedal, dass man sich die vorhandene Leistung immer vergegenwärtigen muss, sonst ist der Wagen schneller, als man denken kann.

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Das Gleiche gilt für die Schaltung, sieben Gänge sind über Paddels abzurufen oder werden automatisch geschlichtet – oder für die Lenkung. Alles ist darauf ausgelegt, die maximale Geschwindigkeit zu ermöglichen. Selbst ein nicht ganz so geübter Fahrer wird den Unterschied in schnellen Kurven merken. Überhaupt ist das problemlose Handling des Wagens bemerkenswert.

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Der Blaue und ich hasteten nach San Leo, stachen hinab nach Rimini, stoben durch die nördlicheren Salzseen und schauten in Bologna vorbei. Es war ein ausgefüllter Tag, und ich hatte die Pudelmütze ins Gesicht gezogen. Es war ein schöner Tag, aber es war der letzte Tag dieses Sommers. (Michael Völker, 23.10.2015)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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