Der neueste Trend für eine bessere Arbeitskultur

28. Oktober 2015, 13:23
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Die Unternehmenswelt feiert momentan "Design Thinking", das frischen Wind für die Arbeitskultur und Innovationsprozesse verspricht

Vom Produktdesign und einem Nischendasein bei den Kreativen hat es der Innovationsansatz "Design Thinking" tief in die Corporate Culture vieler Unternehmen geschafft. Ein Wandel, der relativ lange auf sich warten ließ – wird der Hype doch seit Jahren ausgerufen. Was steckt aber hinter dem Begriff?

Was Design Thinking heißt

Die Grundannahme dahinter ist, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten – und das auf einem kreativen Weg. Daher kommt auch der Name – angelehnt an die Arbeit von Designern, bei der Verstehen, Beobachtung, Ideenfindung, Verfeinerung, Ausführung und Lernen im Vordergrund steht. Das Ziel: bei den Lösungen vor allem an die Nutzer oder Anwender zu denken – Funktion und Wirkung sind zentral.

Bessere Arbeitskultur

Dass es sich nicht mehr nur um einen Ansatz zur kreativeren Produktentwicklung handelt, war auch ein Ergebnis einer aktuellen Studie: Forscher des Hasso-Plattner-Instituts (HPI – ein universitäres Exzellenzzentrum für IT-Systems-Engineering in Deutschland) fanden heraus, dass Unternehmen und Organisationen das Konzept umfangreicher und vielfältiger nutzen als bisher vermutet. Aus den Antworten von 235 Anwendern ging hervor, dass vor allem bei der Verbesserung der Arbeitskultur und der Effizienz von Innovationsprozessen Fortschritte durch Design Thinking verzeichnet wurden. "Das Konzept erfreut sich deshalb einer so großen Beliebtheit, weil es nicht auf bestimmte Branchen begrenzt ist, sondern vielmehr eine Denkweise zur Lösung komplexer Probleme in allen Bereichen darstellt", sagte HPI-Direktor Christoph Meinel zur Vorstellung der Studie.

Es ist schwierig, die Effekte des Ansatzes zu messen – das gab auch einer der Studienautoren zu. Das HPI ist hier seit Jahren aktiv: Mittelpunkt der Aktivitäten ist die eigene School of Design Thinking, welche seit 2007 die IT-Fachgebiete des Instituts ergänzt. 240 Studierende aus verschiedensten Fachrichtungen lernen hier jährlich, wie man benutzerfreundliche IT-nahe Produkte und Dienstleistungen entwickelt. Das HPI kooperiert dabei eng mit der Stanford University und ihrem Hasso Plattner Institute of Design.

Verschiedenste Anwender

Man muss den Erfolg aber nicht unbedingt wissenschaftlich erforschen, um zu erkennen, dass sich Design Thinking zum breiten Trend etabliert- allein ein Blick auf die Liste der anwendenden Unternehmen ist ausreichend. Mit dabei sind Unternehmen, denen allein wegen ihres Geschäftsmodells schon Innovationsfreude nachgesagt wird, wie etwa Airbnb, aber auch ganz traditionelle Unternehmen wie Swisscom, die Deutsche Bank, Volkswagen oder die Deutsche Bahn. Bei der European News Media Conference wurde deutlich, dass auch Medien Design Thinking für Innovationen nutzen. Und auch am CERN gibt es eine Design-Thinking-Initiative, die den Wissenstransfer im umfassenden Forscherbetrieb verbessern soll.

Innovation oberste Maxime

Allein in den letzten Wochen erschienen gleich zwei neue Bücher zum Ansatz – beide aus dem HPI-Umfeld. Eine Prämisse daraus: Beim Design Thinking kommt es hauptsächlich auf den menschlichen Faktor an und darauf, Innovatoren-Persönlichkeiten heranzubilden.

In einer Zeit, in der Innovationsfreude und Entrepreneurship als die Zauberformel für erfolgreiche Unternehmen gelten, wundert es aber kaum, dass Design Thinking in aller Munde ist. (Lara Hagen, xx.10.2015)

  • Die Ideen möglichst vieler Köpfe zu nutzen ist beim Design Thinking zentral – Innovationsprozesse sollen dadurch effizienter werden.
    foto: istock

    Die Ideen möglichst vieler Köpfe zu nutzen ist beim Design Thinking zentral – Innovationsprozesse sollen dadurch effizienter werden.

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