Tierfutterpreise steigen vor Steuererhöhung

23. Oktober 2015, 08:00
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Die Mehrwertsteuer-Anhebung auf 13 Prozent für Produkte wie Tiernahrung animiert offenbar zu kreativer Preisgestaltung

Wien – Zwei Euro mehr für getrocknete Rinderlunge waren Leser Fritz L. dann doch zu viel. Die auf den ersten Blick gering anmutende Preiserhöhung von 7,99 auf 9,99 stellt immerhin eine Erhöhung um 25 Prozent dar. Auch Dosenfutter für Hunde einer bestimmten Marke kostet seit einigen Wochen um zehn Prozent mehr, für einfache Produkte wie getrocknete Rindfleischstücke verrechnet die Tierfutterhandelskette Fressnapf neuerdings um 6,8 Prozent mehr.

Auf die deftigen Preissteigerungen angesprochen, gibt sich das Kassapersonal in einer Fressnapf-Filiale in Wien verblüffend offenherzig: Es gebe Produkte, die sogar um bis zu 30 Prozent teurer wurden, und wie zum Trost fügte ein Angestellter entschuldigend hinzu, dass man im Gegenzug auf die zum Jahreswechsel in Kraft tretende Mehrwertsteuererhöhung verzichten und die Preise nicht weiter anheben würde.

Körberlgeld

Diese Rechnung dürfte freilich nicht aufgehen. Denn der Mehrwertsteuersatz für ausgewählte Produkte wie Tierfutter, Eintrittskarten für Kulturbetriebe wie Kino und Museen oder Tiergärten wird lediglich um drei Prozentpunkte erhöht, von zehn auf dreizehn Prozent. Der große Rest der saftigen Preiserhöhung bliebe der Handelskette für Haustierbedarf quasi als Körberlgeld.

"Stimmt nicht", stellt ein Sprecher der Fressnapf HandelsgmbH in Österreich klar. Die Begründung für die Preiserhöhung sei auch keine offizielle Auskunft des Unternehmens, sondern eine subjektive Erklärung des Mitarbeiters. Auch Geschäftsführer Norbert Marschallinger wirbt um Verständnis: "Die Kommunikation war sicher unglücklich." Aber die Preiserhöhung habe nichts mit der anstehenden Umsatzsteuererhöhung zu tun. Vielmehr seien die Rohstoffpreise zum Teil massiv gestiegen, was man selbst bei harter Kalkulation nicht dauerhaft abfangen und schlucken könne. Üblicherweise komme die Industrie im Juni/Juli mit ihren Preiskalkulationen, die mit einigen Monaten Zeitverzögerung zu den Endkunden durchschlage. Schleichende Preiserhöhungen gebe man ohnehin nicht weiter. Hinzu komme, dass die angesprochenen Produkte keine Massenware, sondern Importware aus der Schweiz seien, deren Preise seit 2012 nicht erhöht worden seien.

Umkämpfter Markt

Fressnapf sei sehr um Preisstabilität bemüht, was am heißumkämpften Markt für Tiernahrung nicht einfach, aber ein Gebot der Stunde sei, sonst wäre man insbesondere in Grenzregionen nicht wettbewerbsfähig. Gegenüber Deutschland habe man in Österreich bereits jetzt einen Nachteil, weil die Mehrwertsteuer dort nur sieben Prozent beträgt.

Sicherheit, dass die Preise nach Weihnachten nicht erneut angehoben werden, gibt Marschallinger nicht: "Wir arbeiten an unseren Kostenstrukturen, um Preiserhöhungen hintanzuhalten, versprechen können wir es aber nicht."

Wehren können sich Verbraucher gegen Preiserhöhungen im Windschatten von Gesetzesänderungen kaum, sagt Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic von der Arbeiterkammer. Preispolitik stehe grundsätzlich jedem Unternehmen frei. Sie sieht das Beispiel Fressnapf eher als Ausreißer und rät zu Preisvergleichen. (Luise Ungerboeck, 23.10.2015)

  • Diesem Feinspitz ist es egal, ob sein Herrchen mehr für Tiernahrung zahlen muss.
    foto: jaques brinon

    Diesem Feinspitz ist es egal, ob sein Herrchen mehr für Tiernahrung zahlen muss.

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