"Grüße aus Lakonien": Melancholische Widerständchen

22. Oktober 2015, 18:00
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Mehr Poesie als Schmäh: Uta Köbernick und Gunkl mit "Grüße aus Lakonien"

Wien – Worte über Worte. Von Günther Paal alias "Gunkl" kennt man das: Er, der die Verballhornung professoraler Eitelkeiten, das Sezieren und Verdrehen aufgeblähter Wissenschaftsrhetorik zu seinem Kabarett erkoren hat, darf auch im neuen Programm Grüße aus Lakonien tief im Fundus europäischer Geistes- und Trivialgeschichte wühlen und sein Skalpell ansetzen.

Als zeitgeistige Entsprechung quasi zur Seite gestellt (man wurde einander vorgestellt) hat man ihm die 1976 in Ostberlin geborene Liedermacherin und Schauspielerin Uta Köbernick. Die Kleinkunstpreis-Gewinnerin von 2009 lebt heute in der Schweiz. Bei der Wienpremiere von Grüße aus Lakonien im Stadtsaal macht sie mittels Geige, Gitarre und Gesang schnell klar, dass das wohl nicht aus steuerrechtlichen Gründen passierte. Kenne deinen Feind! Das schon eher.

Protestsongs? Nein, "ich singe Widerständchen", sagt Köbernick, bevor sie sich – mehr poetisch als komisch – an Freihandel, Europa, Überwachung oder den sozialen Netzen abarbeitet, daran erinnert, dass Geld- immer auch Schuldscheine sind und Barack Obama statt Daten oder Staaten besser Taten sammeln sollte. Ja, Köbernick streift auch den Poetryslam, reimt, rapt und raunt mehrdeutige Lyrik, solo oder von Gunkl am E-Bass begleitet.

Der erklärt die Ambivalenz des Toleranzbegriffs, schaut beim Frauenbild des Augustinus, der Erkenntnistheorie oder dem Schlachtschiff von Schwedenkönig Gustav Adolf vorbei, will aber auch zu Rosettenpelz und Bauchfleisch etwas loswerden. Das Versteigen und Ausufern – auch das kennt man von Gunkl.

Grüße aus Lakonien ist ein legitimer Versuch, der schwach beginnt, im zweiten Teil die Kurve kratzt und mit dem schönen Schlussduett über die Komik der Melancholie tatsächlich noch richtig lustig wird. Kein Kabarett – Poesie statt Schmäh, sei als Warnung angebracht. Im Bewusstsein dessen lohnt der Versuch. (Stefan Weiss, 22.10.2015)

  • Von Augustinus bis Obama: Gunkl und Köbernick ufern aus.
    foto: wolfgang lienbacher

    Von Augustinus bis Obama: Gunkl und Köbernick ufern aus.

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