Russland will den Eispanzer Arktis ausbauen

22. Oktober 2015, 17:46
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Minister kündigt Bau neuer Militärbasen im hohen Norden an. Auch auf den Kurilen wird gebaut

Moskau treibt seine Pläne zur Arktis-Eroberung voran – auch militärisch. Innerhalb von drei Jahren soll eine Spezialtruppe für die Eisregion aufgebaut sein, teilte Verteidigungsminister Sergej Schoigu mit. "Bis 2018 müssen wir die Schaffung und Bewaffnung der gesamten Arktistruppe abgeschlossen haben", sagte er auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. Geplant sei dazu der Aufbau von vier neuen Stützpunkten, fügte er hinzu.

Die größte Basis wird demnach auf der 23.200 Quadratkilometer großen Kotelny-Insel im nördlichen Eismeer errichtet, die bereits von der Sowjetunion militärisch genutzt, in den 1990er-Jahren dann aber aufgegeben wurde. "Das wird so ein großer Stützpunkt, wie es ihn selbst zu Sowjetzeiten nicht gegeben hat; mit modernen Anlagen und allen für diese Region notwendigen Einrichtungen", sagte Schoigu. Kleinere Militärbasen sollen darüber hinaus auf der Wrangel-Insel und weitere zwei auf der Tschuktschen-Halbinsel im äußersten Nordosten Russlands entstehen.

Streit um Kurilen-Stützpunkt

Moskau erhebt seit Jahren Anspruch auf einen großen Teil der Arktis. Unter dem ewigen Eis liegen riesige Vorkommen an Brennstoffen, die Russland erschließen will. Darüber hinaus wird aufgrund des Klimawandels auch die Kontrolle über den nördlichen Seeweg als Transportroute und Alternative zum Suez-Kanal interessant. Freilich ist Russland in seinen Ambitionen nicht allein:_Auch andere Anrainer des Nordpolarmeers erheben Gebietsansprüche.

Eine weitere neue Basis will Russland laut Schoigu auch auf den Kurilen aufbauen. Die Inselkette wurde Ende des Zweiten Weltkriegs von der Roten Armee besetzt und ist seitdem Streitobjekt mit Japan. Tokio beansprucht die vier südlichen Inseln Iturup, Kunaschir, Schikotan und Habomai als "Nördliche Territorien" für sich. Die Rückgabe sei Voraussetzung für einen Friedensvertrag, heißt es. Moskau hatte als Kompromiss die Abtretung von zwei Inseln vorgeschlagen, doch das Angebot wurde abgelehnt.

Kein Kompromiss

Inzwischen ist das Kompromissangebot vom Tisch. Als Russlands Premier Dmitri Medwedew im August Iturup besuchte, löste die Visite in Japan Proteste aus. Russlands Vizeaußenminister Igor Morgulow erklärte daraufhin, die Frage der territorialen Zugehörigkeit Iturups und anderer Kurilen-Inseln sei vor 70 Jahren endgültig geklärt worden. Der neue Stützpunkt demonstriert Moskaus Entschlossenheit. In Japan dürfte dies allerdings für weitere Irritationen sorgen. Die geplante Annäherung der beiden Nachbarn liegt damit auf Eis. (André Ballin aus Moskau, 22.10.2015)

  • Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu kündigte den Bau neuer Stützpunkte im Norden und Osten an.
    foto: ap / pavel golovkin

    Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu kündigte den Bau neuer Stützpunkte im Norden und Osten an.

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