Laut Slowenien schickt Kroatien Flüchtlinge in Fluss

22. Oktober 2015, 17:28
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Staatssekretär spricht von mangelndem Mitgefühl – Rekordzahlen an Anreisenden

Ljubljana/Zagreb – Der Streit zwischen den Nachbarn verschärft sich. Der slowenische Staatssekretär Boštjan Šefic warf am Donnerstag den kroatischen Behörden vor, Flüchtlinge in der Nacht nach Slowenien in Richtung des Flusses Sotla geschickt und sie damit Gefahren ausgesetzt zu haben. Die slowenische Polizei veröffentlichte Helikopterfotos, die Menschen am Rande des Flusses zeigen.

"Die kroatische Polizei versuchte nicht die Flüchtlinge daran zu hindern, den Fluss zu überqueren, noch zeigte sie ihnen einen geeigneteren Ort für die Überquerung", so das Innenministerium. Stattdessen wateten die Flüchtlinge – darunter kleine Kinder – durch die Sotla. Diese Flüchtlinge seien zudem unangekündigt per Bahn nach Dobova gebracht worden. Šefic warf den kroatischen Behörden vor, kein Mitgefühl für die Flüchtlinge zu haben. Kroatien wies dies zurück.

Polizeibeamte angefordert

Die Situation in Slowenien wird Tag für Tag schwieriger. Innerhalb von nur 24 Stunden erreichten 12.600 Flüchtlinge das Land. Immer wieder gibt es Sorge wegen der Sicherheitslage. Ljubljana forderte Polizeibeamte der EU und Hilfsgüter an. Man überlegt einen zweiten Übergang nach Österreich zu öffnen. Und der öffentliche Druck wird immer stärker.

Allein das Flüchtlingsmanagement am Wochenende kostete Slowenien mindestens zwei Millionen Euro. Der Bürgermeister von Brezice, wo viele Flüchtlinge hinkommen, Ivan Molan, meinte: "Slowenien kann kein Gefangener der Flüchtlingsströme sein."

Aber es gibt auch Leute, die mit Humor reagieren und meinen, dass die Hauptleidtragenden eigentlich die Fußballfans seien, nachdem das Match zwischen Ljubljana und Maribor abgesagt wurde, weil alle Polizisten sich um die Flüchtlinge kümmern müssen. Gewitzelt wird auch, dass der Bürgermeister von Zavrč heulen musste, weil die Flüchtlinge den Rasen im neuen Fußballstadion als Toilette nutzten.

Mehr Menschen erwartet

Die Anzahl der Flüchtlinge, die aus Griechenland kommt, wird indes nicht kleiner. Im Gegenteil. In Serbien wurden der Uno zufolge am Donnerstag 9.000 Menschen erwartet. Aus Mazedonien sind keine realistischen Zahlen erhältlich. Das Innenministerium spricht von 165.000 Flüchtlingen seit Juni, aber das ist nur ein Bruchteil der tatsächlichen Zahl.

In Tschechien wies Staatspräsident Miloš Zeman die Kritik des UN-Hochkommissars Zeid Raad al-Hussein zurück, wonach Tschechien Menschenrechte systematisch verletze. Dieser hatte gesagt, Tschechien würde Flüchtlinge bis zu 90 Tage festhalten und ihnen Geld wegnehmen. (awö, 22.10.2015)

  • Flüchtlinge bei Rigonce an der kroatisch-slowenischen Grenze.
    foto: ap photo / darko bandic

    Flüchtlinge bei Rigonce an der kroatisch-slowenischen Grenze.

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