Im Land der begrenzten Möglichkeiten

22. Oktober 2015, 17:19
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Die Formel 1 hat in den USA keinen leichten Stand. Es gibt eine Rennserie Nummer eins, und die heißt Nascar. 2016 steigt ein US-Team in die Formel 1 ein, in Austin ist immerhin ein Cockpit amerikanisch besetzt

Austin – "Ich kann nicht wirklich beschreiben, wie aufgeregt ich bin, erstmals bei einem Heimrennen anzutreten", sagt Alexander Rossi. Erstmals seit 2007, seit Scott Speed, der seinem Namen nicht all zu viel Ehre gemacht hat, können die US-Fans in Austin, Texas, wieder einem Landsmann zujubeln. Und dass der 24-jährige Rossi aus dem mehr als 2000 Kilometer entfernten Nevada City stammt, also kein echter Lokalmatador ist, dürfte Amerikanern nicht viel ausmachen.

Die Zuschauerzahlen in Austin sind trotz pompöser Inszenierung seit Einführung des Rennens 2012 jeweils leicht zurückgegangen. Im Vorjahr lagen sie am Rennsonntag aber immer noch jenseits der 100.000. Versucht hat sich die Formel 1 in den USA schon an vielen Orten. Vor Austin wurde der US-Grand-Prix bereits in Riverside, Sebring, Watkins Glen, Dallas, Detroit, Phoenix und Indianapolis abgehalten. Auch in Las Vegas oder Long Beach hat die Königsklasse bereits Gas gegeben. Nachhaltig durchgesetzt hat sie sich aber nirgends.

Schattendasein

In der US-Öffentlichkeit ist die Serie kaum präsent. Einem Interview mit einem Nascar-Piloten widmete die Zeitung USA Today am Mittwoch eine halbe Seite. Über die Formel 1 war wenige Tage vor dem Heimrennen keine Zeile zu lesen. Der einzige wirklich bekannte Fahrer ist dank seiner häufigen Society-Ausflüge Weltmeister Lewis Hamilton.

Die Formel 1 ringt derweil darum, sich in den USA zu etablieren. Rossi, Gastfahrer für fünf Rennen bei Nachzügler Manor, hat zwar keine Chance, vorne mitzufahren – der zweite US-Heimsieg nach Mario Andretti 1977 in Long Beach ist eine Illusion. Aber der neue US-Rennstall Haas trägt große Hoffnungen.

Das Team aus North Carolina hat mit dem Franzosen Romain Grosjean für 2016 bereits einen erfahrenen Piloten verpflichtet, die Motoren kommen von Ferrari. Als Teamchef fungiert der Südtiroler Günther Steiner. Gründer Gene Haas, der auch ein erfolgreiches Nascar-Team mitbetreibt, erhofft sich durch sein Engagement mehr weltweite Aufmerksamkeit für seine Werkzeugfirma.

Haas meint es ernst. Der Unternehmer hat bereits die frühere Marussia-Fabrik in Banbury in England übernommen, um auch in Europa über eine Basis zu verfügen. Der Großteil des Autos wird vom italienischen Spezialisten Dallara eingekauft. Das Budget beträgt vorerst rund 100 Millionen Dollar. "Wir werden rechtzeitig zum Saisonstart fertig sein", verspricht Haas. Vorerst muss in Austin noch Elton John, der am Rande des Rennens ein großes Konzert geben wird, für Stimmung sorgen.

Neuer Motor für Vettel

Sebastian Vettel bekommt unterdessen einen neuen Motor in seinen Ferrari. Das bestätigte der Ex-Weltmeister am Donnerstag. Der Deutsche muss in der Startaufstellung deshalb zehn Plätze nach hinten rücken. Damit steigen die Chancen von WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton im Mercedes, den vorzeitigen Titelgewinn in der Formel 1 bereits Sonntag zu fixieren.

Sollte der Brite den 16. Saisonlauf gewinnen, müsste Vettel mindestens Zweiter werden, um im Titelrennen zu bleiben. "Es ist nicht schön, wenn man zehn Plätze zurück muss", räumte Vettel ein. Er betonte aber, dass man sich "schon vor langer Zeit" für diesen Plan entschieden habe. (APA, fri, 22.10.2015)

  • 2014 schmückte sich Lewis Hamilton in Austin mit dem Sieg und einem Hut. Heuer könnte der Brite in Texas schon die Titelverteidigung fixieren. Einen Hut würde er auch nehmen, den Hut aber nicht.
    foto: epa/larry w. smith

    2014 schmückte sich Lewis Hamilton in Austin mit dem Sieg und einem Hut. Heuer könnte der Brite in Texas schon die Titelverteidigung fixieren. Einen Hut würde er auch nehmen, den Hut aber nicht.

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