Die Kartografierung der unentdeckten Ozeane der Erde

26. Oktober 2015, 12:00
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Die Kartografierung der Ozeane schreitet nur langsam voran. Dabei wäre sie wichtig für den Schutz der Weltmeere, meinen Forscher

Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche werden von Ozeanen bedeckt. Nur zahn Prozent davon hat der Mensch bislang entdeckt. Wenn man den menschlichen Drang nach Entdeckungen berücksichtigt: Wie kommt es, dass Projekte zur Erforschung des Weltraums so viel Aufmerksamkeit und Förderungen erhalten, während wir den Planeten auf dem wir leben immer noch gar nicht ganz verstehen? Vor ein paar Jahren erschien die Tiefsee plötzlich tatsächlich Interesse zu wecken.

Filmemacher James Cameroon war 2012 einer von drei Menschen, die den 6,8 Meilen tiefen Mariannengraben, den tiefsten Punkt der Erde, erreichten. Eric Schmidt von Google beteiligte sich an der Gründung des Schmidt Ocean Institute. Virgin kündigte mit dem (mittlerweile auf Eis gelegten) U-Boot Virgin Oceanic, das Besucher zu den tiefsten Punkten der Erde bringe sollte, eine neue Ära für die Meeresforschung an.

Letztes Jahr erfolgte wieder ein Rückschlag: Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) kürzte ihr Budget für die Erforschung der Tiefsee auf 26 Millionen USD (es ist damit immer noch zehnmal so hoch, wie die Aufwendungen der Europäer für diesen Forschungsbereich). Zum Vergleich, das Forschungsbudget der NASA lag bei vier Milliarden US-Dollar, also rund 3,6 Milliarden Euro.

"Es würde ungefähr 2,6 Milliarden Euro kosten", sagt Larry Mayer, Direktor des Zentrums für Küsten- und Ozeankartographie am Jere A Chase Ocean Engineering Lab in New Hampshire. In ihrem Gesamtumfang, sind die Kosten für die kartographische Darstellung aller Ozeanbecken ungefähr mit denen einer Marsmission vergleichbar. "Ich stehe voll und ganz hinter der Weltraumforschung", sagt Mayer, "trotzdem kann ich den Reiz einer Marsmission nicht verstehen, wenn so viel auf der Erde noch nicht bekannt ist."

Verbesserte Technologie

Bemannte Unterwasserfahrzeuge gibt es seit einem Jahrhundert und in manchen Ländern, wie z.B. in den USA, verlässt man sich dabei lieber auf einen Menschen, der am Steuerknüppel sitzt. Die Technologie für fernsteuerbare Fahrzeuge (Remotely operated vehicle – ROVs) und selbständig unter Wasser operierende Fahrzeuge (Autonomous underwater vehicle – AUVs) hat sich in letzter Zeit in wesentlichen Punkten weiterentwickelt und erlaubt der Forschung für längere Zeit in größere Tiefen vorzudringen.

Geld, Zeit und Technologie sind aber nicht die einzigen Faktoren. "Die Ozeane sind derart unter den verschiedenen Nationen aufgeteilt, dass ein weltweites Vorgehen eine echte Herausforderung ist", sagt Mayer. Diejenigen, die kein kommerzielles Interesse haben, sollten die Ozeane eher früher als später vermessen. Sie könnten die Tiefseeaktivitäten reglementieren und Gebiete markieren, die besonderes Augenmerk für den Umweltschutz erforderlich machen.

Mögliche Ressourcen

Irland ist in der Tiefsee-Kartografie führend. "Wir haben festgestellt, dass durch unseren semikontinentalen Festlandsockel, neun Zehntel unserer potentiellen Ressourcen unter Wasser liegen", sagt Grehan. Das European Marine Board – ein Zusammenschluss von 35 nationalen Organisationen, die in der Meeresforschung tätig sind – hat gerade ein neues Positionspapier zur Tiefsee veröffentlicht. Bis Ende Oktober will die EU-Kommission das Ergebnis eines mit 20 Millionen Euro dotierten Aufrufs zu Vorschlägen zur Finanzierung von Forschung zur Verbesserung des Erhalts und der nachhaltigen Nutzung mariner atlantischer Ökosysteme angesichts des Klimawandels im Atlantik und der Tiefsee veröffentlichen. (John Holden, The Irish Times, Oktober 2015)

Übersetzung: Christoph Maier – VoxEurop/

Hintergrund

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung des "Guardian" veröffentlicht und ist Teil einer internationalen Medienkooperation zum Thema Klimawandel.

Weitere Informationen zur Medienkooperation

Der Artikel ist Teil der "Keep It In The Ground"-Serie.

  • "Ich den Reiz einer Marsmission nicht verstehen, wenn so viel auf der Erde noch nicht bekannt ist", sagt der Direktor des Zentrums für Küsten- und Ozeankartographie in New Hampshire.
    foto: reuters/paul muir/queensland museum

    "Ich den Reiz einer Marsmission nicht verstehen, wenn so viel auf der Erde noch nicht bekannt ist", sagt der Direktor des Zentrums für Küsten- und Ozeankartographie in New Hampshire.

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