Verbraucherschützer warnen vor "Abzocke" von Flüchtlingen

22. Oktober 2015, 15:34
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Mitarbeiter von Mobilfunkanbietern versuchten Asylsuchenden "unsinnige und überteuerte Verträge aufzuschwatzen"

Flüchtlinge werden nach Informationen der Hamburger Verbraucherzentrale (vzhh) zunehmend Opfer zweifelhafter Angebote und unlauterer Geschäftspraktiken. Es sei in den vergangenen Wochen mehrfach über Fälle berichtet worden, in denen Mitarbeiter von Mobilfunkanbietern zumindest versucht hätten, Asylsuchenden "unsinnige und überteuerte Verträge aufzuschwatzen", teilte die vzhh am Donnerstag mit.

Dreiste Abzocke

Auch beim Vertrieb von Haftpflichtversicherungen seien schon Sprachbarrieren und Wissenslücken für "dreiste Abzocke" ausgenutzt worden. Die Verbraucherzentrale stellte auf ihren Internetseiten ein Informationspaket mit ersten Basisinformationen und Merkblättern für Flüchtlinge sowie Flüchtlingshelfer bereit. Diese behandeln unter anderem die Themen Telefon und Internet, Geld und Konto, Versicherungsschutz und Rundfunkgebühren. Außerdem bat sie um Hinweise auf alle Verbraucherschutzprobleme, die Asylsuchende und deren Unterstützer betreffen. Dafür richtete die Organisation die E-Mail-Adresse refugees@vzhh.de ein.

Als Versicherungsschutz benötigten Flüchtlingen zunächst nur eine Haftpflichtversicherung, erläuterte die vzhh. Es sei ihnen möglich, sich selbst zu versichern, sobald sie einen begrenzten Aufenthaltsstatus oder eine Duldung erhalten hätten. Eine preiswerte Haftpflicht sei für Singles bereits ab 40 Euro und für Familien ab 50 Euro pro Jahr zu haben. Lebens- oder Unfallversicherungen seien erst einmal unnötig. Auch Hausratsversicherungen machten in der Regel keinen Sinn, weil die meisten der Asylsuchenden nicht über große Vermögenswerte verfügten.

Kostenlose Zugänge

Bei dem für viele Flüchtlinge elementar wichtigen Thema Mobilfunk und mobiler Internetzugang sollte der vzhh zufolge zunächst geprüft werden, ob es Möglichkeiten für kostenlose Zugänge gibt. In Großstädten wie Hamburg und München hätten Initiativen frei zugängliche WLAN-Netze eingerichtet. Auch die Deutsche Telekom hatte kürzlich angekündigt, Erstaufnahmeeinrichtungen in Absprache mit Behörden und Hilfsorganisationen mit WLAN zu versorgen.

Wenn ein Handy-Vertrag abgeschlossen werde, sollten zuvor die Bedingungen genau beachtet werden, riet die vzhh. Auch Prepaid-Tarife könnten sehr teuer sein. Allerdings gebe es oft keine andere Möglichkeit, weil feste Verträge ohne festen Wohnsitz und Aufenthaltsgenehmigung meist nicht zustande kämen. Dann sollte auf Prepaid-Verträge mit guten Konditionen geachtet werden. Diese sollten unter anderem keine Mindestlaufzeit haben, die Guthaben sollten nicht verfallen und auch die Datenrate sollte hoch sein.

Asylsuchende sind nach Angaben der Verbraucherschützer ferner vom obligatorischen Rundfunkbeitrag befreit. Sie müssen sich weder als Bewohner einer Sammelunterkunft noch bei einem vorübergehenden Aufenthalt in einer Wohnung anmelden. Sollten sie trotzdem dazu aufgefordert werden, reicht demnach eine Mitteilung mit einem Hinweis auf den Asylantrag. Sollte die Anmeldung bereits erfolgt sein, könne dies einfach wieder rückgängig gemacht werden. (APA, 22.10. 2015)

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