Pariser Kunstmesse FIAC im Expansionsrausch

22. Oktober 2015, 15:12
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Die Pariser Kunstmesse zählt zu den Big Playern in der Branche. Elitismus und Internationalität sorgen jedoch erstmals für offenen Unmut

Paris – "Qualitativ hochwertig" und "prätentiös": Galeristen und Sammler überschlagen sich mit Lob für die 42. Pariser Kunstmesse FIAC im Grand Palais. Wie man auf der Vernissage bereits hörte, laufen die Geschäfte gut. Unter den schon vor der Eröffnung am Donnerstag verkauften Werken soll auch ein Bronze-Drachenkopf von Ai Weiwei sei. Der Auftakt sei vielversprechend, so die spanische Galerie espaivisor.

Paris surft seit rund sechs Jahren auf einer Erfolgswelle. Hinter dem Renommee steht Jennifer Flay, die seit 2003 die Geschicke der Kunstmesse leitet. Ihr Leitmotiv heißt Selektion und Konsolidierung. Ihr Ziel: Der Spitzenreiterin Art Basel Konkurrenz machen. Die FIAC könne dies nur erreichen, in dem sie sich ständig weiterentwickle und eine strenge Auswahl treffe, erklärte die Leiterin im Gespräch mit der dpa.

Erfolg mit Ärger

Zu ihrem Erfolgskonzept gehört, dass sich die FIAC regelmäßig neu erfindet. Dazu zählt die im letzten Jahr gegründete Nebenmesse "Officielle" in den Docks en Seine – Cite de la Mode et du Design. In der 2012 eröffneten In-Location stellen vor allem junge und aufsteigende Galerien aus. Dieses Jahr wurde das Konzept Musee en Seine umgesetzt – ein Shuttle-Bootsverkehr, der zu den wichtigsten Museen und FIAC-Ausstellungsorten an der Seine führt. Rund 60 Skulpturen und Installationen schmücken im Zentrum der Stadt Parks und öffentliche Plätze.

Doch mit dem Erfolg kommt auch Ärger. Flay hat dieses Jahr die Anzahl der Galerien von 191 auf 173 reduziert, um die Fläche für die Aussteller zu vergrößern. "Die größten Stände messen 80 Quadratmeter. Uns vergleichbare Messen bieten 120 Quadratmeter an", rechtfertigte sie ihre Entscheidung. Unter den Ausstellern schwindet der Anteil der Franzosen mit über 40 Galeristen immer mehr. Aus Amerika sind dieses 35 Galerien angereist, aus Deutschland 26.

Aus Protest gegen ihre Selektion und internationale Ausweitung haben sich mehr als 50 Galerien zusammengetan und unweit der FIAC dieses Jahr die OFF-Messe "Paris internationale" eröffnet. "Ich hätte gerne alle Galerien mit an Bord geholt", bedauerte Flay. Sie suche schon seit längerem nach einem weiteren Ausstellungsort.

Big Names

So buhlen unter der über 40 Meter hohen Kuppel des riesigen Grand Palais bis zum Sonntag internationale Flaggschiffe um die Gunst der Sammler wie Larry Gagosian, der unter anderem Jeff Koons und Anselm Kiefer präsentiert, oder Thaddaeus Ropac aus Salzburg/Paris, der Miquel Barcelo und Georg Baselitz zeigt. Sprüth Magers wartet mit Werken im siebenstelligen Bereich von George Condo auf, von denen ein Teil schon am Mittwoch verkauft war. Aus Österreich sind neben Ropac auch die Galerien Krinzinger, Nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder und Senn an der Seine vertreten.

Provozierend und unbequem wie einst auf der Londoner Frieze ging es in Paris noch nie zu. Aus dem Crossover aus zeitgenössischer und junger Kunst sticht vor allem das Baumwoll- und Eisenungeheuer "Monster: Pink" der Südkoreanerin Lee Bul ins Auge, dessen Verkaufspreis auf 200.000 bis 300.000 Euro geschätzt wird oder die Silikongeister von Asta Gröting.

Die gebürtige Neuseeländerin Flay hat die FIAC gewissermaßen wiederbelebt. Für die Rettung der Messe, die zu ihrem 30. Geburtstag tot gesagt wurde, erhielt sie vor wenigen Tagen sogar von Frankreichs Außenminister Laurent Fabius den Orden der Ehrenlegion verliehen – die ranghöchste Auszeichnung für militärische und zivile Dienste. (APA, 22.10.2015)

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