DFB beteuert, WM nicht gekauft zu haben

22. Oktober 2015, 14:06
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Millionen-Zahlung soll zur Sicherung eines Organisations-Zuschusses der Fifa verwendet worden sein – Niersbachs Erklärungsversuch wirft nur neue Fragen auf

Frankfurt/Main – Wolfgang Niersbach lehnte aschfahl und mit tiefen Augenringen in seinem Stuhl, jede der vielen bohrenden Fragen schien ihm körperliche Schmerzen zu bereiten. Was ist aus den 6,7 Millionen Euro geworden? Könnte das Geld nicht doch für Korruption verwendet worden sein? Wie hat Niersbach davon erfahren? Viele, die meisten sogar, konnte der DFB-Präsident am Donnerstag während einer denkwürdigen Pressekonferenz schlicht nicht beantworten – stattdessen verstrickte er sich in neuen Ungereimtheiten.

Wenige Antworten

"Ich weiß es nicht", sagte Niersbach während für ihn quälenden 42 Minuten in der Verbandszentrale in Frankfurt immer wieder, "da bin ich überfragt" oder "darauf habe ich keine Antwort". Seine wenigen konkreten Aussagen stützte er ausschließlich auf ein Gespräch mit Franz Beckenbauer am Dienstag in Salzburg, belastbare Dokumente liegen nicht vor. Nur in einer Sache war der 64-Jährige nach wie vor absolut sicher: Die WM 2006 soll trotz aller Unklarheiten sauber gewesen sein.

"Wir haben die WM mit lauteren Mitteln bekommen! Die WM war nicht gekauft, das Sommermärchen bleibt ein Sommermärchen!", beteuerte Niersbach erneut – und das mehrmals. Dies sei die "Kernbotschaft", die unangetastet bleibe. Niersbach warf jedoch weitaus mehr Fragen auf, als er beantworten konnte. Der Druck stieg minütlich, aber über mögliche persönliche Konsequenzen sprach er nicht.

"Es ergeben sich Fragezeichen, die sehe ich auch", räumte Niersbach ein. Zumindest in den nebulösen Vorgang der 6,7-Millionen-Euro-Zahlung, deren exakter Verbleib nach wie vor ungeklärt ist, versuchte er etwas Licht zu bringen.

Dubioser Geldfluss

Seine allerdings sonderbare Erklärung: Die deutschen WM-Macher mussten 2002 6,7 Millionen Euro an die Fifa überweisen, um später vom Weltverband umgerechnet 170 Millionen Euro erhalten zu können. Diese Zusage habe Beckenbauer persönlich vom FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter in einem Vier-Augen-Gespräch erhalten – ein sogenannter "Organisationszuschuss" des Fußball-Weltverbandes für die Ausrichtung der WM. Die benötigten 10 Millionen Schweizer Franken habe das WM-OK mangels eigener Einnahmen nicht zur Verfügung gehabt. Daher habe der damalige adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus vorgestreckt und das Geld an die Fifa-Finanzkommission überwiesen – laut Niersbach ohne Umwege über den DFB oder das WM-OK, dessen Vize-Präsident er zu dieser Zeit war.

Eigentlich habe Beckenbauer den Betrag aus seinem Privatvermögen übernehmen wollen, sich aber auf Anraten seines Beraters Robert Schwan dagegen entschieden. Warum damals keine Bank oder gar die Bundesregierung um ein Darlehen gebeten wurde, konnte Niersbach nicht aufklären.

Erinnerungslücke

Der Spiegel, am vergangenen Wochenende Auslöser der WM-Affäre, hatte ein Dokument beschrieben, auf das Niersbach den handschriftlichen Vermerk "Honorar für RLD" gesetzt haben soll. Dies wollte das Oberhaupt des Deutschen Fußball-Bundes "nicht ausschließen", ohne sich allerdings konkret daran zu erinnern.

2005 forderte Dreyfus laut Niersbach seine Millionen von den WM-Machern zurück. Für das OK war dies ein Riesenproblem. Der Anmerkung eines Journalisten, es sei dann offensichtlich die "Legende Kulturprogramm" erfunden worden, stimmte Niersbach am Donnerstag "im Kern" zu. Warum nun eine finanzielle Harakiri-Aktion notwendig wurde, blieb ungeklärt. Ebenso die Frage, ob die FIFA die Rückzahlung an Dreyfus weitergeleitet hat. Laut Spiegel: ja.

Vorwurf eines Kommunikations-Defizits

Im Sommer dieses Jahres erst habe er, versicherte Niersbach, auf "merkwürdigen Umwegen" von den Problemen mit den 6,7 Millionen Euro erfahren. Die Umstände ließ er im Dunkeln. Umgehend habe er dann mit der Untersuchung begonnen und sei "in die Akten gestiegen" – allerdings, ohne den DFB-Kontrollausschuss einzuschalten. Die mangelnde Kommunikation hatten ihm in den vergangenen Tagen die Landesverbände zum Vorwurf gemacht.

Der Verdacht, es sei entgegen Niersbachs Aussage etwas im Zuge der WM-Bewerbung oder -Planung nicht mit rechten Dingen zugegangen, bleibt. Dies, obwohl Niersbach betonte, der Posten stehe in allen Jahresberichten, das sei "totale Transparenz". Er sei allerdings "in Finanzfragen nur sehr bedingt eingebunden" gewesen. Verantwortlich für die OK-Finanzen war damals Theo Zwanziger.

Offen blieb außerdem, warum Niersbachs Vorgänger und Intimfeind inzwischen nach Aufklärung ruft, aber seinerzeit bei der "Legenden"-Überweisung geholfen haben soll. Den Eindruck einer doppelten Buchführung beim WM-OK nannte Niersbach außerdem selbst weiter "einen zentralen Punkt". (sid, 22.10.2015)

  • Viele Fragen an DFB-Präsident Niersbach. Allerdings kaum befriedigende Antworten.
    foto: ap/ arne dedert

    Viele Fragen an DFB-Präsident Niersbach. Allerdings kaum befriedigende Antworten.

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