Möglicher neuer Plastikmüll-Strudel in arktischen Gewässern

22. Oktober 2015, 12:08
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Deutsche Forscher beobachten Kunststoff-Treibgut, das auf bisher unbekannten "Garbage Patch" hinweist

Bremerhaven – Plastikmüll in den Ozeanen bereitet Wissenschaftern bereits seit Jahrzehnten Kopfzerbrechen. Bisher wurden fünf riesige Müllstrudel oder "Garbage Patches" ausgemacht. Sie entstehen, wenn die zu kleinsten Partikel zerriebenen Kunststoffteile von kreisenden Meeresströmungen eingefangen werden und sich in deren Zentrum immer weiter konzentrieren.

Nun haben Forschern des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) möglicherweise die Entwicklung einer weiteren Plastikkonzentration in der Arktis ausgemacht. Die bei einer Fahrt des Forschungseisbrechers "Polarstern" bereits 2012 in der sogenannten Framstraße gemachte Beobachtung ist nun erstmals in einer Studie dokumentiert worden.

Unklare Herkunft des Kunststoffabfalls

Ob der entdeckte Plastikabfall tatsächlich von einem bisher unbekannten Müllstrudel stammt, ist allerdings vorerst noch nicht erwiesen – wenn auch die Beobachtungen darauf hinweisen: "Es ist denkbar, dass ein Teil dieses Abfalls dann weiter nach Norden und Nordwesten bis in die Framstraße treibt", erklärte AWI-Biologin Melanie Bergmann. Er könnte aber auch von Fischtrawlern stammen, die der zurückweichenden arktischen Meereisdecke folgen.

Der nun auf dem Online-Portal der Fachzeitschrift "Polar Biology" erschienenen Untersuchung zufolge ist die Zahl der entdeckten Müllstücke mit 31 auf den ersten Blick zwar vergleichsweise überschaubar, trotzdem sind die Autoren besorgt. So sei bei der Zählung von der Brücke der "Polarstern" und von deren Bordhubschrauber aus insbesondere größeres Treibgut zu entdecken gewesen. Da bekannt sei, dass Plastik im Meer mit der Zeit in winzige Bruchstücke zerfalle, dürfte die Müllmenge insgesamt wahrscheinlich erheblich größer sein.

Darüber hinaus lagere sich Abfall ohnehin bevorzugt am Meeresboden ab. Bergmann fand durch früheren Studien am arktischen Ozeanboden bereits heraus, dass die Müllmenge dort seit Jahren zunimmt und die Abfalldichte dort zehn bis 100 Mal größer ist als an der Wasseroberfläche. "Für uns ist das ein Indiz, dass der Müll letztlich auf den Meeresboden sinkt und sich in der Tiefsee wie in einem Endlager sammelt", erläuterte die AWI-Expertin, die bei der Untersuchung mit belgischen Forschern kooperierte.

46.000 Plastikteile pro Quadratkilometer

Nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF finden sich in jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche bereits bis zu 46.000 Plastikteile. Sie sind extrem langlebig und benötigen Hunderte Jahre, um zu zerfallen. Während das größere Treibgut zunächst eine Gefahr für Seevögel und Fische darstellt, die sich darin verfangen oder es verschlucken können, sehen Umweltschützer insbesondere auch die winzigen Mikroplastikstücke als Gefahr. Sie enthalten häufig giftige Zusatzstoffe und reichern sich in Meereslebewesen und damit in der Nahrungskette an.

Bergmann zufolge ist der in der Arktis treibende Müll zunächst vor allem für Seevögel ein Problem, die an der Meeresoberfläche jagen. Studien an Eissturmvögeln auf Spitzbergen hätten bereits ergeben, dass 88 Prozent der untersuchten Exemplare Plastikteile verschluckt hätten. (APA/red, 22.10.2015)

  • Plastikmüll am Meeresboden der Framstraße. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts vermuten, dass der Abfall von einem bisher unbekannten Müllstrudel stammt.
    foto: m. bergmann / alfred-wegener-institut

    Plastikmüll am Meeresboden der Framstraße. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts vermuten, dass der Abfall von einem bisher unbekannten Müllstrudel stammt.

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