Kampf gegen illegalen Fischfang in Spanien

23. Oktober 2015, 11:35
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Die EU-Kommission versucht unter dem Schlagwort "Blaues Wachstum" illegalen Fischfang zu beenden

Seit 20 Jahren gibt es weltweit einen Verhaltenskodex zur nachhaltigen Nutzung der Meeresressourcen. Um das zu feiern, haben sich im Oktober Teilnehmer aus 148 Ländern in der spanischen Hafenstadt Vigo getroffen. Geladen hatte die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen.

Der EU-Kommissar für Fischerei, Karmenu Vella, sprach in Vigo von ersten Folgen des Abkommens, das auch als Grundlage für Europas Fischereipolitik dient: "Immer mehr Fischreservate entwickeln sich in Richtung Nachhaltigkeit." Es ging auch um illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei (IUU-Fischerei) und um das Schlagwort Blue Growth, Blaues Wachstum, unter dem die Europäische Kommission auf nachhaltiges Wirtschaften mit dem Meer hinarbeitet.

675 Millionen Euro

Bis 2020 werden 675 Millionen Euro in den Kampf gegen illegalen Fischfang und 500 Millionen in Erforschung und Erhebung der Bestände fließen. Der Ort der FAO-Konferenz war nicht zufällig gewählt: Vigoin Galicien ist weltweit einer der wichtigsten Fischereihäfen, und Spanien ist innerhalb der EU die größte Fischereination, mit der größten Im- und Exportquote, den meisten Beschäftigten in der Branche und der größten Flotte; rund 20 Prozent aller europäischen Kutter und Boote fahren unter spanischer Flagge.

Nachhaltige Fischerei ist für Spanien und seine rund 9000 Hochseekutter und Fischerboote seit Jahrzehnten ein wichtiges Thema. Beim EU-Beitritt 1986 hatte Spanien noch rund 20.000 Boote und Kutter. Seitdem durchlebt das Land einen permanenten Anpassungsprozess an die EU-Normen: Reduzierung und Modernisierung der Flotte, stärkere Kontrollen, niedrigere Fangquoten.

Neues Gesetz gegen illegalen Fischfang in Spanien

Ende vergangenen Jahres erließ Spaniens Regierung nun das weltweit strengste Gesetz zur Verfolgung illegalen Fischfangs. Demnach können Spanier oder Arbeiter und Reeder spanisch beflaggter Schiffe und auch Weiterverarbeiter und Händler mit Sanktionen von bis zu zwölf Millionen Euro bestraft werden.

Kein Schiff könne mehr sicher sein, egal wo, drohte jüngst der Staatssekretär für Fischerei, Andrés Hermida, "auch wenn es in Panama gemeldet ist, den Firmensitz in der Schweiz hat und unter einer Flagge aus Äquatorialguinea fährt". Das Gesetz greift sowohl in internationalen als auch in den vier spanischen Fanggebieten: vor den Kanaren, im Golf von Cádiz, im Mittelmeer und im südlichen Golf von Biskaya, an der spanischen Nordnordwestküste.

Wilderer haben es nun schwerer: Im Hafen der kanarischen Insel Las Palmas, wo bislang viel illegale Ware aus den Gewässern vor Westafrika gelöscht wurde, sei der Umfang der Fracht in diesem Jahr um rund 80 Prozent zurückgegangen, wie Raúl García von WWF Spanien sagt. Er beobachtet einen Mentalitätswandel bei den Fischern. "Ging es ihnen früher nur ums Geld, geht es ihnen heute vor allem um Qualität", sagt García, "und die ist nur durch nachhaltiges Arbeiten möglich."

Förderprogramm greift

Der Schutz der Ressourcen und somit der eigenen Lebensgrundlage stehe bei vielen Fischerverbänden heute an erster Stelle. 28 Nachhaltigkeitsprojekte wurden vom Europäischen Fischereifonds (EFF) in Spanien finanziert, dank des ersten Förderprogramms 2007–2013. Darunter war das Projekt "Isla Verde"zur Mülltrennung an Bord der Hochseekutter.

Beantragt und umgesetzt hatte es der Verband der Reeder von Vigo, "zum Schutz der Meeresflora und -fauna", so die Innovationsbeauftragte Bibiana García. Nicht nur Plastik, Dosen und Pappe werden jetzt an Bord getrennt verwahrt, auch Sanitärmüll, Bratfett oder Motorenöl landen nicht mehr im Meer. Die Müllbehälter sind mit QR-Codes ausgestattet und erleichtern das Recycling.

Schutz der Karettschildkröte

Mari Luz Parga von der NGO Submon arbeitet mit andalusischen Fischern zusammen. Dank des EFF-Fonds konnte sie ein Netzwerk flechten zum Schutz der Unechten Karettschildkröte, die vom Aussterben bedroht ist. Bislang endeten in Andalusien und Murcia tausende Exemplare an den Langleinen der Schwertfischfänger vor der Küste.

"Heute können die meisten Tiere gerettet werden, denn viele Fischer haben das nötige Wissen, um sie vom Haken zu lösen", sagt Parga. Sie hofft auf Fördermittel aus dem zweiten EU-Fonds. Der soll die Mitgliedsländer bis 2020 dem Ziel der umwelt- und sozialverträglichen Fischerei näher bringen.

Raúl García ist zuversichtlich: "Die radikale EU-Politik und die Hartnäckigkeit der Umweltschützer zeigen Früchte." Die Bestände des Roten Thun im Ostatlantik und im Mittelmeer erholen sich, und Fangquoten für Seehecht konnten jüngst angehoben werden. "Früher sahen uns die Fischer als Feinde", sagt García, "heute danken uns viele die Arbeit." (Brigitte Kramer, 23.10.2015)

  • Der Europäische Fischereifonds finanziert 28 Projekte zur Nachhaltigkeit in der Fischerei in Spanien.
    foto: reuters/laszlo balogh

    Der Europäische Fischereifonds finanziert 28 Projekte zur Nachhaltigkeit in der Fischerei in Spanien.

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