Jewgenij Samjatin: "Wir" – und das Ganze

22. Oktober 2015, 13:22
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Die Überwachungsdystopie des russischen Autors ist auch hörenswert

Orwell, Huxley, Bradbury. Sie schrieben die großen negativ-utopischen Romane des 20. Jahrhunderts. Ein Name fehlt hier, jener von Jewgenij Samjatin. 1884 geboren, machte er, als Schiffsbauingenieur aus der englischen Emigration zurückgekehrt, 1917 bei der Revolution in Sankt Petersburg mit. War aber bereits vor 1920 erschüttert von den mit menschenverachtender Brutalität etablierten despotischen Strukturen mit und um Lenin. Wenig später schrieb er den Roman Wir. Bekam Schreibverbot. Konnte 1931 nur dank der Vermittlung Maxim Gorkis Russland verlassen. Sechs Jahre später starb Samjatin in Paris.

Wir ist noch heute eine erschreckende Vision eines totalen Überwachungsstaates, der jede Individualität reglementiert – die Menschen sind nur noch Zahlen -, eigenes Denken rigoros bestraft. Andreas Pietschmann spricht subtil D-503, der die Systemtreue erst aufgibt und dann einknickt, Jana Schulz ist in Christoph Kalkowskis gelungener Bearbeitung inklusive Musik für großes Orchester sehr überzeugend die aufrührerische I-330. (Alexander Kluy, 22.10.2015)

Jewgenij Samjatin, "Wir", € 16,99 / 95 min. Der-Audio-Verlag, München 2015

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