Erste Tests: Surface Pro 4 mausert sich zum Laptop-Ersatz

22. Oktober 2015, 10:35
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Lob für Bildschirm und neues Type Cover – Kritik an Preis und alten Schwächen

Konnte Microsoft mit seinen ersten beiden Surface-Generationen nur wenig Nutzer überzeugen, verzeichnete der Konzern mit dem Surface 3 Pro erstmals signifikanten Erfolg am Massenmarkt. Doch auch die dritte Ausgabe des Convertibles hatte noch mit Schwächen zu kämpfen, die verhinderten, dass das Gerät sich als voll ausgereifter Ersatz für Tablet und Notebook behaupten konnte.

Vor wenigen Wochen wurde nun die vierte Iteration des Hybriden unter dem Namen Surface Pro 4 vorgestellt. Mittlerweile liegen auch erste Testeindrücke vor. Und diese bescheinigen Microsoft wichtige Fortschritte. Erstmals geben sich Kritiker überzeugt davon, dass es möglich ist, Tablet und Laptop in einem Produkt zu verbinden, ohne problematische Kompromisse eingehen zu müssen.

Display begeistert

Die Redmonder haben dazu an mehreren Schrauben gedreht. Bewährt gut ist das Display, das mit 2.736 x 1.824 Pixel noch etwas höher auflöst, als das Panel des Surface Pro 3. Mit 267 PPI erreicht das Gerät damit fast die Pixeldichte vieler aktuellerer Smartphones. Aufgrund des größeren Betrachtungsabstandes sind mit freiem Auge wohl keine einzelnen Bildpunkte mehr auszumachen.

Neben schierer Pixelmasse überzeugt das Panel auch mit lebendigen Farben, guten Kontrasten und sehr guten Helligkeitswerten. Trotz des Umstiegs auf 12.3 Zoll hat sich das Surface Pro 4 in den Abmessungen nur geringfügig verändert.

Verbesserungen für Tastatur und Stift

Lob finden Kritiker auch für das neue Type Cover, das sich beim Tippen merklich stabiler verhalten soll, als jenes der Vorgänger-Generation. Vor allem beim Betätigen der Tasten nahe dem Rand reagiert die als optionales Accessoir erwerbbare Tastatur mit integriertem Touchpad aber immer noch wackelig und bewegt sich hin und her, merkt Wired an.

Für Nutzer mit grafischen Ambitionen und all jene, die bei Besprechungen gerne händisch mitschreiben, hat Microsoft den Surface Pen verbessert. Dieser registriert nun 1.024 Druckstufen und soll mit einer Batterieladung ein Jahr lang laufen können. Das Arbeiten mit dem digitalen Stift fühlt sich laut Engadget "großartig" an. Die Handschrifterkennung scheint einigermaßen zuverlässig zu sein. Per Klick lässt sich eine frische OneNote-Notiz öffnen, ein weiterer Klick hinterlegt selbige am OneDrive-Konto des Nutzers.

Ein scheinbar kleines, allerdings nicht unwichtiges Detail ist die neue Befestigungsmöglichkeit. Musste der Stift beim Surface Pro 3 noch in einer Schlaufe an der Tastatur verstaut werden, haftet er nun magnetisch seitlich am Gerät selbst.

Verarbeitung, Performance, Anschlüsse

Wie gehabt setzt Microsoft auch beim Surface 4 Pro auf eine Magnesium-Legierung, die Testern keinen Anlass zur Kritik gibt. Die Tableteinheit wiegt rund 800 Gramm. Sieht man von der dafür etwas unhandlichen Größe des Bildschirms ab, funktioniert die Verwenbdung als reines Touchgerät gut, was auch an den Interface-Verbesserungen von Windows 10 liegt.

Die Performance des Convertibles hängt davon ab, für welche Ausstattung sich der Nutzer entscheidet. Die Einsteigerversion werkt mit einem Intel Core-M, der den Platz der bisher angebotenen Core-i3-Chips einnimmt. Wer mehr investiert, kann sich auch für Modelle mit Core-i5 und Core-i7 der aktuellen Generation entscheiden. Die Bestückung mit Arbeitsspeicher variiert zwischen vier und 16 GB, die integrierte SSD fasst zwischen 128 GB und einem Terabyte.

Die Port-Ausstattung bleibt eher spartanisch. Nutzer müssen sich mit einem USB 3.0-Steckplatz, einem mini-DisplayPort sowie einem microSD-Slot zufrieden geben. Positiv angemerkt wird die Qualität der Lautsprecher, die für ein Gerät dieser Kategorie erstaunlich schönen Sound produzieren.

Ausbaufähige Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit, angegeben werden rund sechs Stunden Videowiedergabe, bleibt ausbaufähig. Bei Wired sind zudem ein paar Probleme aufgetreten, etwa einen Ausfall des Touchpads beim Abnehmen und Wiederverbinden des Typecovers, der erst durch einen Neustart behoben werden konnte. Schwierigkeiten, die sich jedoch softwareseitig beheben lassen dürften.

Preisfrage

Ein Knackpunkt bleibt allerdings der Preis. Die günstigste Variante des Surface Pro 4 schlägt hierzulande mit knapp 1.000 Euro zu Buche und entspricht hardwareseitig einem Einsteiger-Laptop. Die Luxus-Ausgabe mit Core-i7-CPU und 512 GB-SSD (die Variante mit einem TB ist derzeit noch nicht in Österreich vorbestellbar) kostet 2.450 Euro. Obwohl das Gerät praktisch immer in Kombination mit dem Tastaturcover abgebildet wird, muss dieses zusätzlich erworben werden, wofür weitere 150 Euro fällig werden.

Evolution

Trotzdem, so die Kritiker, erfüllt Microsoft nunmehr das Versprechen, mit dem Surface Pro 4 einen Laptop ersetzen und gleichzeitig eine gute Tablet-Erfahrung bieten zu können. Das neue Modell ist keine Neuerfindung des Konzeptes, sondern eine durchdachte Weiterentwicklung in wichtigen Punkten. Wer sich die Anschaffung eines Tablet-Notebook-Hybriden überlegt, findet im Surface Pro 4 demnach ein gutes Angebot. (gpi, 22.10.2015)

  • Das Surface Pro 4 erfindet das Hybrid-Konzept nicht neu, liefert aber in wichtigen Punkten Verbesserungen.
    foto: ap

    Das Surface Pro 4 erfindet das Hybrid-Konzept nicht neu, liefert aber in wichtigen Punkten Verbesserungen.

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