Wahlen würden anders ausgehen, wenn ...

22. Oktober 2015, 07:00
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Ein Forschungsprojekt an der Universität Graz untersucht unterschiedliche Wahlmodelle

Graz – Mit den Wahlen ist es für manche so ein Kreuz. Man muss sich auf dem Stimmzettel für eine Partei entscheiden und dort sein Kreuzerl hinmalen. Manchmal aber scheint die eine Partei sympathischer zu sein, die andere – mit Abstrichen – aber ebenso wählbar. Letztlich muss aber eine Entscheidung getroffen werden – so ist das Wahlrecht.

Was wäre, wenn man mehrere Parteien wählen oder überhaupt ganz anders seine Stimme abgeben könnte? Würde das zu einer allgemein größeren demokratiepolitischen Zufriedenheit führen und womöglich zu anderen Wahlergebnissen?

Dieser Frage geht zurzeit ein Forscherteam am Institut für Finanzwissenschaften und öffentliche Wirtschaft an der Karl Franzens Universität Graz nach.

Nach der steirischen Landtagswahl wurden zu diesem Zweck rund 1000 Wähler und Wählerinnen beim Verlassen der Wahllokale über unterschiedliche Wahlmodelle befragt. Parallel dazu wurden Daten bei der Hochschülerschaftswahl erhoben. Studenten konnten neben ihrer "normalen" Stimmabgabe beispielsweise die Parteien mittels Platzziffer reihen oder eine Gesamtpunktezahl nach Belieben an eine oder verteilt auf mehrere Listen vergeben.

Punkte für Parteien

Für eine differenzierte Erfassung des "Wählerwillens" gebe es eine Reihe von Möglichkeiten, die in der Studie, die für drei Jahre angelegt ist, nun untersucht werden, erläutert Projektleiter Richard Sturn. So könnten etwa die Parteien gereiht werden, Parteien gestrichen, Personen oder Parteien mit Punkten bewertet werden.

Wahlen, bei denen etwa für mehrere Parteien oder Kandidaten verschiedene Punktezahlen vergeben werden, würden durchaus feinere Informationen über die tatsächlichen Präferenzen der Wähler liefern, sagt Sturn. Das würde die Wahl allerdings auch verkomplizieren: "Versuchen sie einmal, in der Zelle bei der Punktevergabe bei acht Kandidaten genau auf hundert Punkte zu kommen", relativiert Sturn. Noch fehlen freilich intensivere empirische Studien – die noch folgen werden.

Fakt ist, die bisherigen Daten, die der Politologe Peter Filzmeier für das Projekt erhoben hat, legen nahe, dass unterschiedliche Wahlverfahren durchaus Unterschiede in den Wahlergebnissen bringen können. (Walter Müller, 22.10.2015)

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