Schulden: Venedigs Bürgermeister möchte Klimt-Gemälde verkaufen

21. Oktober 2015, 18:57
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Luigi Brugnaro will sich von Meisterwerken trennen, die nicht direkt mit Venedigs Geschichte und Kultur zusammenhängen, um mit deren Erlös die Kassen der Stadt zu füllen

Rom/Venedig – Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, hat Pläne zum Verkauf von Kunstwerken aus Museen seiner Stadt bestätigt, um Schulden abzubauen. Unter den Werken ist auch Gustav Klimts "Judith II (Salome)" aus dem Jahr 1909.

"Klimts 'Judith' ist eines der schönsten Gemälde hier in Venedig, doch viele Leute wussten gar nicht, dass es hier aufbewahrt ist", sagte Brugnaro im Interview mit der italienischen Tageszeitung "Quotidiano Nazionale" am Mittwoch.

Nichts mehr in den Kassen

Der seit Juni amtierende Bürgermeister klagte, dass Venedig in Schulden versinke und bat die Regierung in Rom um Hilfe. "Allein für die Instandhaltung der Stadt brauchen wir 40 Millionen Euro. Ich habe nichts mehr in den Kassen. Wenn man behauptet, dass Venedig ein Erbe aller Menschen ist, muss man mir die Ressourcen für seinen Erhalt geben, ansonsten muss ich die Möglichkeit haben, Kunstwerke zu verkaufen", erklärte der Mitte-rechts-Politiker und Unternehmer.

Allein für die Säuberung der Stadt seien 30 Millionen Euro notwendig. "Die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Jahren Palazzi verkauft, Aktien des Flughafens verschleudert und Schulden angesammelt", so der Bürgermeister. Für das kommende Jahr verfüge er über lediglich 200.000 Euro für die Instandhaltung der Stadt.

Bis zu 400 Millionen Euro

Brugnaro hatte kürzlich betont, er wolle sich von Meisterwerken trennen, die nicht direkt mit Venedigs Geschichte und Kultur zusammenhängen. Damit könnten bis zu 400 Millionen Euro lukriert werden. Alleine "Judith II" würde etwa 70 Millionen in die Gemeindekassen spülen. Der Bürgermeister würde gerne auch Marc Chagalls "Betenden Juden" versteigern lassen, der wie die "Judith" in der internationalen Galerie für zeitgenössische Kunst in Ca' Pesaro aufbewahrt wird.

Aus dem Kulturministerium in Rom hieß es jedoch, dass sowohl Klimts als auch Chagalls Gemälde in Venedig bei der Biennale erstmals ausgestellt wurden und daher mit der Geschichte der Stadt verbunden seien. Außerdem gebe es Gesetze gegen die Teilung öffentlicher Kunstsammlungen. (APA, 21.10.2015)

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