Wie Liechtensteins Fürstenfamilie ihr Geld anlegt

Interview28. Oktober 2015, 14:30
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Prinz Max von Liechtenstein gewährt Einblick in die Veranlagungen der fürstlichen Familie

STANDARD: Ihre LGT Bank ist als Sponsor bei einem Formel-E-Rennstall eingestiegen. Glauben Sie, dass diese Rennserie für Elektroautos groß im Kommen ist?

Liechtenstein: Neue Technologien werden in der Automobilindustrie in den nächsten 20 Jahren eine große Rolle spielen. Wir glauben, dass neue und saubere Technologien hilfreich und wichtig sind und auch unsere Kunden interessieren. Unser Sponsoring ist nicht als reine Wette auf den Erfolg dieser Rennserie zu sehen, die aber sicher einen guten Start hatte.

STANDARD: Wie investieren Sie beziehungsweise Ihre Familie sonst? Ich nehme an, Immobilien sind das Rückgrat.

Liechtenstein: Der Immobilienbestand der Familie ist signifikant, aber wir haben ihn in den letzten Jahren nicht so stark ausgedehnt. Das Risiko bei Immobilien ist, dass sie nicht liquide sind. Insofern ist man sehr exponiert gegenüber den steuerlichen Rahmenbedingungen, die oft nicht so langfristig stabil sind, wie man es gerne hätte.

STANDARD: Meinen Sie die Steuerreform in Österreich?

Liechtenstein: Das ist nicht nur in Österreich so. Ob in Ländern, die durch hohe Verschuldung in einer angespannten Finanzierungslage sind, Immobilienanlagen sinnvoll sind, muss man sich genau überlegen.

STANDARD: Sind Immobilien in Europa noch attraktiv?

Liechtenstein: Die Preise haben seit der Finanzkrise extrem stark angezogen. Es stellt sich die Frage, ob das so weitergeht. Wir haben zuletzt selektiv investiert, aber nicht mit großer Breite oder Überzeugung.

STANDARD: Wie steht es mit Aktien?

Liechtenstein: Bei Aktien unterscheiden wir zwischen Private und Public Equity. In den letzten 15 Jahren haben wir die höchsten Renditen mit Private Equity erzielt. Dessen Anteil im Portfolio liegt bei über 20 Prozent. Wir investieren auch in liquide Aktien – über Direktanlagen und über Hedgefonds. Das macht knapp 30 Prozent aus.

STANDARD: Sind Sie auch in Österreich mit Private Equity investiert?

Liechtenstein: Der Markt in Österreich ist klein und schwierig. Wir sind zwar investiert, aber im Gesamtkontext ist es vernachlässigbar.

STANDARD: Sollte die Regierung diesen Markt, also besonders Venture-Capital für Start-ups, mehr fördern?

Liechtenstein: Was sicher hilft, ist eine stabile unternehmer- und investorenfreundliche Gesetzgebung. Aber wenn man eine Historie hat von einmal so und einmal anders, dann dauert es lange, bis einem die Leute abkaufen, dass es irgendwann stabil bleibt.

STANDARD: Legen Sie auch in Start-ups aus dem Finanzbereich, den sogenannten Fintechs, an?

Liechtenstein: Wir haben in einige Firmen investiert, machen damit auch Gewinne. Wir glauben aber, dass da auch ein bisschen Hype dabei ist, wie wir es im Internetbereich immer wieder gesehen haben. Von den tausenden Unternehmen werden letztlich nur wenige Erfolg haben.

STANDARD: Wie investieren Sie im Anleihenbereich?

Liechtenstein: Generell kann man sagen, dass man die Renditen der vergangenen 15 Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreichen kann. Auch in der historischen Betrachtung haben wir schon ein superniedriges Zinsniveau erreicht. Dennoch sind in gewissen Bereichen festverzinsliche Anlagen noch sinnvoll.

STANDARD: In welchen Segmenten?

Liechtenstein: Es gibt spannende Nischen wie Insurance-linked Securities. Das sind Wertpapiere, deren Rendite von Versicherungsrisiken abhängt. Je weniger Schadensfälle, desto höher die Rendite. Wenn die Polizzen fast die ganze Erde abdecken, ist das Risiko, dass es überall gleichzeitig zu Naturkatastrophen kommt, niedrig.

STANDARD: Welche Renditen sind damit zu erzielen?

Liechtenstein: Je nachdem, wie viel Risiko man nimmt, zwischen zwei, drei und sechs, sieben Prozent.

STANDARD: Akzeptieren Sie auch Negativrenditen?

Liechtenstein: Wir legen derzeit nicht in Bereichen an, wo wir Negativrenditen erleiden müssten.

STANDARD: Welchen Stellenwert spielt Kunst bei der Veranlagung?

Liechtenstein: Wir kennen uns in diesem Markt extrem gut aus und haben ein Team, das sich um die Sammlungen kümmert, und wir sind nach wie vor am Markt tätig. Aber wir blicken auf unsere Sammlungen mit unterschiedlichen Perspektiven, da geht es nicht nur um Wertsteigerungen.

STANDARD: Legen Sie auch in ausgefallene Bereiche wie Oldtimer an?

Liechtenstein: Es gibt unzählige Möglichkeiten, zu investieren, und wir sind schon relativ breit unterwegs. Aber in Oldtimer investieren wir nicht, da kennen wir uns nicht besonders aus.

STANDARD: Geht bei Ihnen der Werterhalt über die Rendite?

Liechtenstein: Wir sind beim Investieren mit relativ großem Ehrgeiz am Werk und nicht nur auf Werterhalt ausgerichtet. Wir wollen schon ausgezeichnete Renditen erzielen, aber natürlich mit hohem Risikobewusstsein. No risk, no return – aber man muss die Risiken auch gut verstehen.

STANDARD: Welche Anlageklasse ist für Sie am aussichtsreichsten?

Liechtenstein: Ich glaube, dass in den nächsten 15 Jahren auch wieder Private Equity die höchsten Renditen erzielen wird. (Alexander Hahn, 22.10.2015)

Prinz Max von Liechtenstein ist CEO der liechtensteinischen LGT Bank. Diese wird zur Gänze von der fürstlichen Familie kontrolliert.

  • Die LGT Bank der Familie Liechtenstein investiert nicht nur in gängige Anlageklassen, sondern setzt auch auf neue Technologien – und sponsert ein Team der Elektroauto-Rennserie Formel E.
    foto: e-wolf, rene gaens

    Die LGT Bank der Familie Liechtenstein investiert nicht nur in gängige Anlageklassen, sondern setzt auch auf neue Technologien – und sponsert ein Team der Elektroauto-Rennserie Formel E.

  • Prinz Max von Liechtenstein investiert auch in Kunst.
    foto: ap / eddy risch

    Prinz Max von Liechtenstein investiert auch in Kunst.

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