Kursgewinne verteilt der Weihnachtsmann

28. Oktober 2015, 12:05
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Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache: Geht es nach historischen Daten, sollte die Wall Street in den nächsten Monaten zu einem Höhenflug ansetzen

Wien – Aktienanleger dürfen auf ein versöhnliches Ende des bisher eher durchwachsenen Jahres 2015 hoffen – zumindest wenn es nach der Statistik geht. Die Börsen zeigen nämlich einige regelmäßig wiederkehrende Phänomene, die sich zwar nicht wissenschaftlich untermauern lassen, Investoren aber dennoch zu einem netten Beibrot verhelfen können.

Am bekanntesten sind an der Börse saisonale Muster, die sogar in ein Sprichwort gegossen wurden. "Sell in May" lautet dieses und besagt, dass sich Anleger im Wonnemonat von ihren Aktienbeständen trennen sollten, um die traditionell schwachen Sommermonate zu umschiffen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich von Herbst bis Frühjahr starke Renditen einfahren lassen.

Schwacher Börsensommer

Gemäß einer bis 1950 zurückreichenden Statistik erzielt der marktbreite US-Aktienindex S&P-500 im Zeitraum Anfang Mai bis Ende September durchschnittlich einen Minizuwachs von 0,03 Prozent. Im restlichen Zeitraum spielt das Börsenbarometer mit einem Anstieg um 7,11 Prozent im Mittel de facto die gesamte Jahresrendite ein. Ein eindeutiges Argument für eine Jahresendrally, und zwar nicht nur an den US-Börsen.

Laut Professor Ben Jacobsen von der University of Edinburgh fußt dieses Phänomen auf globaler Basis. In einer Studie aus dem Jahr 2012 hat er insgesamt 319 Jahresverläufe verschiedener Aktienmärkte untersucht, wobei in sieben von zehn Fällen der "Sell in May"-Effekt eingetreten ist. In den Sommermonaten generierten Investoren durchschnittlich 2,4 Prozent Ertrag, im Rest des Jahres stattliche 6,9 Prozent. Eine wissenschaftlich fundierte Erklärung für dieses Phänomen blieb auch Jacobsen schuldig und kam zu der Erkenntnis: "Der Effekt ist eine rätselhafte Anomalie mit globaler Gültigkeit."

Noch Aufholpotenzial

Bisher hat sich die Wall Street heuer an das saisonale Drehbuch gehalten. Nach einem leichten Aufwärtstrend bis April hat der S&P-500 über den Sommer sämtliche Zuwächse wieder verspielt und liegt seit Jahresbeginn knapp drei Prozent unter Wasser. Damit hätte der Index einer anderen Börsenstatistik zufolge heuer noch deutliches Aufholpotenzial.

Mitte jedes Jahrzehnts erzielte der S&P-500 nämlich seit den 1930er-Jahren laut Daten der New York University im Durchschnitt eine spektakuläre Überperformance. Demnach konnte der Index inklusive Dividenden in jedem Jahr, das auf eine Fünf endet, seither im Mittel eine Rendite von sagenhaften 29,7 Prozent einfahren – verglichen mit 11,5 Prozent über alle Jahre. Diesbezüglich ist das Jahr 2015 bisher einiges schuldig geblieben.

Regeln und Ausnahmen

Wer nun in US-Aktien investieren will, sollte auch bereits auf das Jahr 2016 schielen. Diesbezüglich gibt die Statistik Entwarnung, mit 12,7 Prozent erzielen auch Sechserjahre gute Ergebnisse. Einen Freibrief für Anlageerfolge stellt dies freilich nicht dar: Im generell schwachen Krisenjahr 2008 ging es etwa außerhalb der Sommermonate mit Abstand am stärksten bergab. Offenbar gibt es immer Ausnahmen, welche die Regel bestätigen.(Alexander Hahn, 22.10.2015)

  • Sowohl die Saisonalität als auch die Anomalie der "Fünfer-Jahre" sprechen für eine Weihnachsrally an der Wall Street.

    Sowohl die Saisonalität als auch die Anomalie der "Fünfer-Jahre" sprechen für eine Weihnachsrally an der Wall Street.

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