Wenn Andreas Prochaska wüsste, wie schön es hier ist

21. Oktober 2015, 17:11
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Kärntner Landkrimi gilt als Favorit auf den Sieg beim Prix Europa, dem größten europäischen Medienpreis

Selten sind die Juroren des Prix Europa einer Meinung, aber im Fall von Andreas Prochaskas Landkrimi ist die Zustimmung ungeteilt: "Hervorragendes Drehbuch, großartig gemacht", lobt etwa Pekka Ruohoranta, finnischer TV- und Radioproduzent und seit 15 Jahren beim Prix Europa Spielfilm-Jurorchef. Den "Wow-Effekt", hatte Festivalchefin Susanne Hoffmann. In der Kategorie Spielfilm gehört damit Wenn du wüsstest wie schön es hier ist, geschrieben von Stefan Hafner und Thomas Weingartner, produziert von Graf Film, ORF sowie Arte definitiv zu den Favoriten auf den Sieg von Europas größtem Medienpreis. Im ORF hat der Film mit Gerhard Liebmann am 17. Dezember Premiere.

Gemäht ist die Wiese allerdings noch lange nicht. Uneingeschränktes Lob passiert den diskussionsfreudigen Juroren zwar selten, aber das feinfühlige Krimidrama muss sich gegen 24 weitere Mitbewerber in dieser Kategorie durchsetzen. Die Qualität stimmt bei vielen in diesem Jahr.

"Altes Geld" blieb auf der Strecke

Insgesamt 664 Film-, Radio- und Onlineprojekte wurden eingereicht und gingen durch eine Vorjury. Nicht weiter kam zum Beispiel Altes Geld. "Die Konkurrenz ist unglaublich hart", sagt Hoffmann. 212 Filme und Radioproduktionen aus 28 Ländern sichten und hören in dieser Woche mehr als 257 Juroren im Berliner Haus des Rundfunks, allesamt selbst Produzenten, Autoren, Regisseure oder Redakteure der nominierten Produktionen.

Die Trophäe, ein bronzener Stier, wird Samstagabend in zwölf Kategorie vergeben, darunter Fiction, Dokumentation, Reportage, Radiomusik und Online. EU-Kommission, regionale Institutionen und 30 Trägermedien, darunter der ORF, finanzieren ihn. Zu den rund 600.000 Euro Jahresetat steuert der ORF 18.000 Euro bei.

Seit 29 Jahren gibt es den Preis, noch immer führt er ein Nischendasein im Vergleich zu den großen, kommerzielleren Konkurrenzen. Aber "die Bedeutung nimmt zu", sagt Hoffmann. "Die Programmdirektoren in den Anstalten begreifen, dass sie den Prix Europa als ihr Aushängeschld brauchen."

Flucht als wichtiges Thema

Der Preis gilt als Gradmesser für Trends im europäischen Medienschaffen. Schwerpunkte zeichnen sich auch in diesem Jahr ab: Etliche Einreichungen widmen sich dem Thema Flucht. Favorit auf den Sieg in der Kategorie TV-Dokumentationen ist wohl die detailiert geschilderte Flucht Edward Snowdens, festgehalten von Poul-Erik Heilbuth und John Goetz für den dänischen Rundfunk. Online sticht da Refugee Republic hervor, das Projekt des niederländischen Journalisten Yaniv Wolf, das den Alltag von Flüchtlingen im syrischen Domiz Camp erlebbar macht.

refugee republic

Ungebrochen groß ist die Lust am Koproduzieren. Ein Budget von 23 Millionen Euro stemmten etwa Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Island und Tschechien für die Historienserie 1864. Den Krieg Dänemarks gegen Preußen inszenierte Ole Bornedal mit erzählerischem Geschick und Querverbindungen zur Gegenwart. Hoffmann fürchtet da schon den "Europudding": Dass ein Einheitsgeschmack bedient werde, der die nationalen Färbungen immer mehr zum Verschwinden bringe.

Geschichtsthemen im neuen Mantel

Gegenbewegungen gibt es. Geschichtsthemen werden neu verpackt, im Fall des polnischen Nationalhelden Jan Karski, strickten die Macher eine Film-im-Film-Story hinzu, mit der die Ereignisse rund um den Widerstandskämpfer, der sich in ein Vernichtungslager einschleusen ließ und anhand dessen Berichte die Alliierten die Wahrheit über den Holocaust erfuhren.

Positiv überraschte die Schweiz mit Station Horizon, einem räudigen Roadmovie, das zeigt, wie wild die Westalpen sein können. Anspieltipp aus Großbritannien ist Cucumber. Die achtteilige Geschichte um den schwarzen Schwulen Lance Sullivan mit garantiert schockierendem Ende: Ruohorantas Favorit. Und vermutlich Andreas Prochaskas größter Konkurrent. (Doris Priesching aus Berlin, 21.10.2015)

Die Reise erfolgte teilweise auf Einladung des Prix Europa.

Die Preisverleihung wird am Samstag vom RBB live gestreamt: Ab 19 Uhr hier.

  • Gerhard Liebmann in "Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist".
    foto: orf

    Gerhard Liebmann in "Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist".

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