Multiple Sklerose: Darmbakterien als Therapieoption

21. Oktober 2015, 17:13
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Lang- und kurzkettige Fettsäuren könnten die Entstehung und den Verlauf von MS beeinflussen, vermuten Forscher

Bochum – Die Darmflora, auch Mikrobiom genannt, ist derzeit äußerst populär in der medizinischen Forschung. Der Grund: Es wird eine Wechselwirkung zwischen der bakteriellen Besiedelung im Darm und neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose oder Parkinson vermutet. Demnach dürfte das Mikrobiom einen erheblichen Einfluss auf die Krankheitsentstehung und den weiteren Verlauf nehmen.

Der Nutzen von kurzkettigen Fettsäuren

In einer aktuellen Studie konnte sowohl in der Zellkulturschale als auch im experimentellen Modell gezeigt werden, dass langkettige Fettsäuren wie die Laurinsäure die Entstehung und Vermehrung von entzündlichen Zellen in der Darmwand fördern. Im Gegensatz dazu führen kurzkettige Fettsäuren – vor allem die Propionsäure – zur Entstehung und Verbreitung von regulatorischen Zellen des Immunsystems in der Darmwand, wie Forscher der Ruhr-Universität Bochum herausgefunden haben. Dadurch können sowohl überschießende Entzündungsreaktionen als auch autoreaktive Zellen, die körpereigenes Gewebe schädigen, unterdrückt werden.

Stoffwechselprodukte der Bakterien ausschlaggebend

Ist der Darm hingegen keimfrei, kann diese schützende Funktion nicht mehr beobachtet werden. Zumindest haben das Experimente im Tiermodell gezeigt. Das spricht für eine direkte Beteiligung des Mikrobioms an der Entfaltung der Fettsäure-Wirkung, schlussfolgern die Forscher.

Durch weitere Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die Effekte der Fettsäuren weniger auf die einzelnen Keime des Mikrobioms zurückzuführen sind, sondern eher über Stoffwechselprodukte der Bakterien vermittelt werden.

Was die Multiple Sklerose und andere Autoimmunerkrankungen betrifft, wurde bislang davon ausgegangen, dass sie auf ein Ungleichgewicht zwischen den (geschwächten) regulatorischen und den autoimmun-entzündlichen Immunmechanismen beruhen. Deshalb zielt die überwiegende Mehrheit zugelassener Therapien auf eine Schwächung beziehungsweise Blockierung der pro-entzündlichen Komponente des Immunsystems ab.

Eine Stärkung der regulatorischen Komponenten, etwa über Propionat als Zusatz zu den etablierten Medikamenten, könnte eine zusätzliche Therapieoption bieten, hoffen die Forscher der Ruhr-Universität Bochum. (red, 21.10.2015)

  • Propionsäurebakterien sorgen im Emmentaler und anderen Hartkäsesorten für die charakteristischen Löcher. Im menschlichen Darm dienen sie der Verbreitung von regulatorischen Zellen des Immunsystems, wie Forscher der Ruhr-Universität Bochum festgestellt haben.
    foto: apa/keystone/epa

    Propionsäurebakterien sorgen im Emmentaler und anderen Hartkäsesorten für die charakteristischen Löcher. Im menschlichen Darm dienen sie der Verbreitung von regulatorischen Zellen des Immunsystems, wie Forscher der Ruhr-Universität Bochum festgestellt haben.

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