Megatrend Automatisierung: Wenn der Roboter dreimal klingelt

26. Oktober 2015, 09:00
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Internet der Dinge dringt in immer neue Bereiche vor und könnte bald auch die Postzustellung übernehmen

Wien – Es klingelt an der Tür. Statt des Postboten wartet ein Objekt aus Aluminium und einem Herz aus Elektronik auf eine Unterschrift. Eine sonore Stimme fordert zum Öffnen einer Klappe auf, die am unteren Rand des Touchscreens angebracht ist, auf dem zu unterschreiben war. Nachdem der Roboter den eingeschriebenen Brief angebracht hat, macht er eine 180-Grad-Drehung, sagt "Auf Wiedersehen" und rollt davon.

So oder so ähnliche Szenen könnten sich bald auch vor österreichischen Haustüren abspielen. Das Verschmelzen von Produktion und Informationstechnologie, was als Industrie 4.0 beziehungsweise Internet der Dinge in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist, gehört zusammen mit dem, was man gemeinhin Robotics nennt, zu der Handvoll Megatrends, die nach Ansicht von Experten die nächsten Jahre prägen werden. Wann immer auf Elektronikmessen neueste Forschungsergebnisse oder gar fertige Produkte gezeigt werden, die auf Robotics basieren, ist das für Besucher regelmäßig wie der Eintritt in eine neue Welt.

In der Tat – moderne Robotikgeräte verfügen heute über eine bemerkenswerte Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu speichern, zu verarbeiten und entsprechend zu agieren. Zur Automatisierung gefährlicher, schmutziger und eintöniger Tätigkeiten werden Roboter schon seit langer Zeit in Fabriken eingesetzt. Die Qualität, die sie auch zu diffizilsten Aufgaben befähigen, hatten sie bisher aber noch nicht.

Robotik wächst zweistellig

Laut einer Studie von Boston Consulting, die dem STANDARD vorliegt, wird die Robotikbranche auf absehbare Zeit mit jährlich zehn Prozent wachsen. Zum Vergleich: Das weltweite Wirtschaftswachstum wird von Volkswirten im nächsten Jahrzehnt bei etwa drei Prozent pro Jahr erwartet.

Inzwischen gibt es Roboter, die Veränderungen im Gesichtsausdruck und in der Stimme erkennen, die in Dienstleistungs- und Sicherheitssektoren eingesetzt werden oder im Gesundheitssystem Verwendung finden. Dort gehen bereits hochentwickelte Roboter Chirurgen bei komplexen Operationen zur Hand. Auch bei den derzeit heftig diskutierten fahrerlosen Autos sollen intelligente Sensortechnologien zum Einsatz kommen – mit entsprechenden Absatzmöglichkeiten.

"Heikle Herausforderungen"

Wir sollten uns der digitalen Revolution nicht in den Weg stellen, sondern ihre Vorteile nutzen, fordern Erik Brynjolfsson und Andre McAfee, Professoren am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston. Für ihr im Plassen-Verlag erschienenes Buch The Second Machine Age – wie die nächste digitale Revolution unser aller Leben verändern wird wurden sie kürzlich mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2015 ausgezeichnet. "Die Digitalisierung bringt heikle Herausforderungen mit sich", warnen die Autoren, "der technische Fortschritt in seiner rapiden Weiterentwicklung wird den einen oder anderen hinter sich lassen – möglicherweise auch viele."

Dennoch sollten wir nicht zu modernen Maschinenstürmern werden. Vielmehr raten Brynjolfsson und McAfee, die neuen Techniken zu verwenden. So könne der Übergang in die digitale Welt leichter vonstattengehen. (Günther Strobl, 26.10.2015)

  • Visualisierung der Sensorik ist ein Teil der neuen Welt, die zunehmend vom Internet der Dinge geprägt sein wird. Viele andere Facetten liegen noch im Nebel der Zeit verborgen.
    foto: dpa / peter steffen

    Visualisierung der Sensorik ist ein Teil der neuen Welt, die zunehmend vom Internet der Dinge geprägt sein wird. Viele andere Facetten liegen noch im Nebel der Zeit verborgen.

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