Bedauernswerter Knick in Fenningers Karriere

Kommentar21. Oktober 2015, 15:56
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Der verhängnisvolle Sturz ist negativer Höhepunkt ihres schwierigen Jahres

Das Leben gleicht manchmal einer Hochschaubahn. Mal geht es steil bergauf, dazwischen auch ohne besondere Momente einfach nur dahin oder aber auch mal rasant bergab, wie gerade wieder im Leben der Anna Fenninger. Die Salzburgerin zog sich am Mittwoch bei einem Trainingssturz für den Skiweltcupauftakt in Sölden schwere Verletzungen im rechten Knie zu. Sie fällt für die komplette Saison aus, noch bevor sie überhaupt begonnen hat.

Dabei verlief die Karriere der ÖSV-Vorzeigeathletin – von kleinen Wehwehchen abgesehen – bisher beinahe komplikationslos, rein sportlich betrachtet. Sie ist zweifache Weltcupgesamtsiegerin, Olympiasiegerin und Weltmeisterin. Es schien zu laufen wie am Schnürchen, wären da nicht – und jetzt kommt der unsportliche Teil – Anfang des Jahres Gerüchte aufgetaucht, dass die 26-Jährige einen Nationenwechsel anstrebe, was sie natürlich umgehend dementierte. Und wären da nicht die Wickel zwischen ÖSV und Fenningers ehemaligen Manager Klaus Kärcher im Streit um Sponsoren aus dem Automobilbereich und um bessere sportliche Behandlung dazwischengekommen und schließlich derart eskaliert, dass Österreichs zweifache Sportlerin des Jahres im Frühsommer sogar mit dem Rücktritt drohte.

Nach wochenlangen Querelen folgte zwar noch im Sommer eine Versöhnung, die sowohl beim ÖSV als auch bei Fenninger sowie der mehr oder weniger gebannt teilnehmenden Bevölkerung für Erleichterung gesorgt haben dürfte. Doch wie so oft hinterlassen derartige Konflikte Spuren, die für Spitzenathleten Gift bedeuten können, zumal es neben einer optimalen Physis auch eines optimalen mentalen Zustands bedarf, um besser als die Besten zu sein.

Das Fehlen von Fenninger wird im ÖSV-Frauen-Team eine große Lücke hinterlassen, zumal nach dem Rücktritt von Marlies Schild vor rund einem Jahr heuer auch Nicole Hosp, Kathrin Zettel und Andrea Fischbacher ihre Rennskier in die Keller räumten. Chancen auf Rennsiege bleiben wohl vorerst nur Eva-Maria Brem, Elisabeth Görgl und vielleicht auch Michaela Kirchgasser vorbehalten.

Umso bedauerlicher ist nun der Ausfall Fenningers, die schon vor Wochen Knieschmerzen beklagte. Eine Patellasehne zwickte, für Hochleistungssportler nicht ideal, aber auch kein Grund für eine längere Pause. So begann sie vor einigen Tagen wieder auf Schnee zu trainieren, um für den Weltcupauftakt fit zu sein. Diesen Wettlauf mit der Zeit, um ja im richtigen Moment in bester Verfassung zu sein, hat Fenninger verloren. Folgenschwere Stürze sind zwar ein fixer Bestandteil des Skizirkus, passieren aber oftmals scheinbar ohne triftigen Grund. Stimmt jedoch nur eine kleine Komponente in der Vorbereitung nicht, kann das gravierende Folgen haben, wie vielleicht auch jetzt bei der verhängnisvollen Talfahrt der Anna Fenninger. (Thomas Hirner, 21.10.2015)

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