Mit Bresnik, aber ohne Streithanseln

21. Oktober 2015, 16:50
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Österreichs Tennisverband will keine internen Wickel mehr, dafür Talente individuell mit einer Million Euro im Jahr fördern. Kritiker Günter Bresnik erhält mehr Einfluss

Wien – "Das Hauptproblem ist, dass sich die Entscheidungsträger im Tennis nicht auskennen. In der Sportkommission sitzen Leute, die von diesem Sport überhaupt keine Ahnung haben." Aussagen wie diese von Coach Günter Bresnik sind noch nicht lange her, ebenso die Streitereien um Fördergelder zwischen dem Clan von Dominic Thiem und dem österreichischen Tennisverband (ÖTV). Geht es nach dem ÖTV, ist das Schnee von gestern. Alte Seilschaften wurden aufgelöst, ein frisches Lüftchen weht. "Es soll ein Miteinander und nicht wie früher ein Gegeneinander geben", sagt ÖTV-Präsident Robert Groß.

Der Verband wird ab 1. Jänner 2016 mit einer Million Euro jährlich ein Sieben-Punkte-Programm finanzieren. Kernpunkt ist eine externe Förderung, die Österreichs Nachwuchs bei privaten Trainern und Gesamtkosten helfen, 15.000 Euro pro Jahr und Kopf werden ausgeschüttet. "Früher gab es gar keine Individualförderung. Auch der Trainingsstandort ist nicht mehr relevant. Wenn ein Spieler in Spanien trainiert und die Kriterien erfüllt, wird er genauso gefördert", sagt Groß.

Gut aufgestellt

Just der größte Kritiker des ÖTV wurde ins Boot geholt. Günter Bresniks Tennisakademie wird in Zukunft im ÖTV-Zentrum in der Südstadt trainieren. Bresnik schreibt für seine Spieler Honorarnoten, der ÖTV zahlt. "Wir haben aber ein sehr günstiges Angebot bekommen." Gemeinsam mit Bresnik wurden auch strengere Förderkritieren festgelegt, "die Ranglisten lügen nicht". Nominierungen für den Davis-Cup werden in Zukunft mit Bresnik enger abgesprochen.

Während die Erfolge von Südstadt-Spielern vor allem in der Ära von Gilbert Schaller überschaubar blieben, etablierte sich Bresnik-Schützling Dominic Thiem in der Weltspitze. Laut aktuellem Stand sind nur etwa vier Spieler voll förderungswürdig. Da bleibt noch viel Luft nach oben. Dem ÖTV steht immerhin ein jährliches Budget von zwei Millionen Euro zur Verfügung. Eine Million erhält der Verband vom Bundes-Sportförderungsfonds, 600.000 Euro kommen von Sponsoren, der Rest aus Mitgliedsbeiträgen der Landesverbände. Immerhin: Der ÖTV ist einer der wenigen Sportverbände in diesem Land, der sich über einen Hauptsponsor freuen darf.

Schlecht aufgestellt

Katzenjammer herrscht weiterhin bei den Damen. Keine Spielerin in den Top 200, das Damentennis grundelt, im Fed Cup wird man sich irgendwann mit dem Sudan messen. "Hier haben wir ein Vakuum." Es werde ein oder zwei Jahre dauern, bis wieder eine Spielerin in den Top 100 anklopft. Fed-Cup-Kapitän Jürgen Waber wurde als Hauptverantwortlicher angestellt und will gemeinsam mit der ehemaligen Top-20-Spielerin Sybille Bammerin Linz eine "freiwillige" Trainingsbasis für alle schaffen. Dass junge Mädchen aus Geldmangel alleine auf Auslandsturniere reisen, ist dem sportlichen Erfolg auch nicht förderlich. Und soll mit einem neuen Touring-Coach passé sein.

Mit den Herren will der ÖTV im Davis Cup wieder in die Weltgruppe. Und weitere Talente auf den Spuren von Dominic Thiem wandeln sehen. Der verbessere sich übrigens im Training ständig. Sowohl körperlich als auch spielerisch. "Ihm ist nichts vorzuwerfen. Die Entwicklung geht jetzt vielleicht nicht so schnell wie sich das manche Leute wünschen, aber die Leute verstehen halt nicht, dass die anderen auch Tennis spielen können", sagt Günter Bresnik. (Florian Vetter, 21.10.2105)

  • Günter Bresnik hat sich mit Kritik am österreichischen Tennisverband nie zurückgehalten.
    foto: apa/pfarrhofer

    Günter Bresnik hat sich mit Kritik am österreichischen Tennisverband nie zurückgehalten.

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