Fahne hissen am Nationalfeiertag

22. Oktober 2015, 16:00
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Patriotismus für einen Tag

foto: apa/johann groder

Pro
Von Christoph Prantner

Zu behaupten, dass einer, der keine Fahne hat, ein nutzloser, ja vielleicht sogar armseliger Pfosten sei, wäre faktisch vielleicht richtig, aber doch eher unhöflich. Das würde nur der tun, der absolut keine Manieren und/oder seine Wimpel nicht sauber sortiert im Vereinsstüberl hängen hat.

Trotzdem: Ein Mast ist ein Mast, und da gehört etwas drauf. Dieses Etwas könnte natürlich die ostfriesische Nationalflagge sein (weißer Adler auf weißem Grund) oder – naheliegender – rot-weiß-rot. Was akkurat dagegen sprechen soll, ist nicht zu erkennen. Zumal das Aufpflanzen der Bundesbikolore auch ein paar ganz praktische Vorteile mit sich bringt: Man erkennt zumindest einmal im Jahr, was (noch) des Ärars ist. Auf die Flaggenhalter passen zuweilen auch Regenbogenfahnen. Und: Zur Not kann man auch die Fahrräder lieber Freunde (das hat ihr Autor mehrfach erfolgreich erprobt) am Fahnenmast aufziehen und diese so aus dem patscherten Aktionsradius ihrer Besitzer entfernen. Patriotismus mag für manche eine Behinderung sein, in manchen Fällen beugt er einer solchen aber auch vor.

Kontra
Von Christoph WInder

Natürlich muss ein jeder Patriot – wie auch ich einer bin – am Nationalfeiertag die Fahne hissen. Ostentative Nichthisser geraten zu Recht in den Ruf, auf dubiose Art dissident, wenn nicht gar vaterlandslose Gesellen zu sein. Mein Problem: Aufgrund eines doppelten Armbruchs nach einem Fahrradsturz in diesem Sommer laboriere ich noch an einer eingeschränkten Hissfähigkeit. Das ist keine Einbildung. Meine Physiotherapeutin warnt mich ernsthaft vor dem Flaggenhochziehen. Schlimmstenfalls könnten unbedachte Hissversuche zur dauerhaften Hissbehinderung führen.

Damit riskiere ich wegen einer unverschuldeten temporären Hissunfähigkeit einen Leumund als schlechter Österreicher. Das darf nun echt nicht sein. Ich plädiere dafür, nicht nur das Hissen, sondern auch andere Akte des Umgangs mit der Nationalfahne als legitime Kundgebungen des Patriotismus anzuerkennen: Liebkosen, sachte Berührungen, Streicheln. Um Patriotismus zu zeigen, darf kein Preis zu hoch sein. Ich würde dafür ja sogar bedenkenlos über eine rot-weiß-rote Stoffbahn hinwegschlecken. (Rondo, 23.10.2015)

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