Welcome back, "Gilmore Girls": Sind Serien-Revivals eine gute Idee?

22. Oktober 2015, 13:53
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Ein Jauchzen ging durch die Fangemeinde: Die "Gilmore Girls" kehren nach acht Jahren auf den Bildschirm zurück. Auch andere springen auf den Nostalgiezug auf und beleben alte Formate wieder. Aber wollen wir das überhaupt?

Nach sieben Staffeln war es 2007 vorbei. Rory trennte sich endlich vom unsäglichen Logan, Lorelai und Luke fanden in letzter Minute wieder zueinander. Das Dragonfly Inn lief bestens und Rory begleitete den damaligen Präsidentschaftskandidat Barack Obama auf seiner Wahlkampftour. Und doch, das Ende fühlte sich für viele Fans überstürzt und schal an. Wieso wurde die talentierte und kämpferische Lane mit einer so undankbaren Storyline gestraft, und saß am Ende mit Zwillingen daheim, während ihr Freund Karriere als Musiker machte? Und, ganz wichtig: Wo ist Jess, der intellektuelle Rebell in der Lederjacke, geblieben?

Die Erlösung sehnsüchtiger Fanherzen naht

Zumindest ein paar offene Fragen dürften sich in Bälde beantworten. Netflix plant eine Mini-Serie: in vier jeweils 90-minütigen Episoden die gesprächigen "Gilmore Girls", großteils in Originalbesetzung, zurück. Und die Reaktionen im Netz sind überwiegen euphorisch. Auch, dass Amy Sherman-Palladino, die für die Kult-Serie der 2000er bis zur 6. Staffeln als Drehbuchautorin tätig war, wieder dabei ist, wird als gutes Omen für das Gelingen der Neuauflage gewertet.

Freude, schöner Götterfunken!

Trend Wiederverwertung

Doch nicht nur die Bewohner von Stars Hollow kehren zurück. Auch für die Familensitcom "Full House" ist ein Revival geplant. Ebenso soll "McGyver" wieder ermitteln und kolportierter Weise "der Prinz von Bel Air" erneut lässig über den Bildschirm schlendern. In beiden Fällen ist es aber eher unwahrscheinlich, dass die ursprünglichen Schauspieler zum Cast gehören. Und was ist der "Prinz von Bel Air" schon ohne den legendären Carlton-Tanz dargebracht von Alfonso Ribeiro?

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Kann es jemals wieder so lustig werden?

So bleibt das Problem mit den Neuauflagen, dass sie zwar mit der Nostalgiesehnsucht der Zuschauerschaft spielen, sie aber nur schwer zu befriedigen vermögen. Beispiele für eher misslungene Versuche einer Reanimation sind "90210" oder auch "Melrose Place", die zwar von den Namen ihrer Vorgänger profitieren wollten, alte Fans aber eher irritiert zurück ließen. Schon 1997 versuchten Macher den Trash-Charme von "Knight Rider" wiederaufleben zu lassen. Das Experiment namens "Team Knight Rider" scheiterte eher farblos.

Freilich gibt es auch ambitioniertere Revival-Versuche: Man darf gespannt sein auf die Weiterführungen von "Twin Peaks" oder "Akte X", die beide für 2016 angekündigt sind.

Altes in neuem Gewand – gute oder schlechte Idee?

Trotzdem bleibt die Frage, ob die nostalgische Sehnsucht nach den alten Formaten doch nicht eher mit dem Anschauen alter Folgen befriedigt werden sollte. Die "Süddeutsche Zeitung" nennt Serien gar "therapeutische Zeitkapseln" und folgert: "Wir werden älter, aber die Serie bleibt gleich, das gibt uns Halt." Geht es also weniger um die Formate selbst als um die eigene vergangene Lebenszeit, die mit den Serien verbunden ist?

Oder sehen Sie das anders und finden, dass Altbewährtes gerne wieder aufgegriffen werden sollte? Gibt es Beispiele, bei denen sie diese Versuche als sinnvoll erachten? Gibt es Serien, die unbedingt neu aufgelegt werden sollten? Und zu guter letzt: Freuen Sie sich auf die Rückkehr der "Gilmore Girls"? (jmy, 22.10.2015)

  • Und sie reden und reden und reden.
    foto: ap/scott garfield

    Und sie reden und reden und reden.

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