Die Feldstecher des Grauens

Ansichtssache22. Oktober 2015, 05:30
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Politiker mimen bei Truppenbesuchen gerne den Feldherrn. Bisweilen passieren ihnen aber auch Hoppalas

Mit Feldstechern ist es so eine Sache. Soldaten machen sie sich zunutze, um das Feld zu überblicken, feindliche Stellungen aufzuspüren, Bewegungen im Kampfgebiet zu erkennen. Ihre obersten Chefs, Politiker also, mimen bei Besuchen an der Front gerne den markigen Befehlshaber, der sich selbst ein Bild vom Geschehen macht. Meist erreichen sie in Anwesenheit der Presse ebenjenen Effekt. Geht allerdings etwas schief, ernten sie statt patriotischer Meriten beißenden Spott.

Benjamin Netanjahu, seines Zeichens Premierminister von Israel und ehedem hochdekorierter Elitesoldat, ist unlängst an der Grenze zum Gazastreifen ein kleines Malheur passiert. "Netanjahu: Die Situation ist unter Kontrolle", spottete prompt eine Tageszeitung. Der Premier, wegen der prekären Sicherheitslage und der aktuellen Terrorwelle in der Kritik, muss sich nun auch noch Gelächter gefallen lassen.

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Dabei ist Netanjahu nicht der erste israelische Spitzenpolitiker mit kurzzeitigen Sichtproblemen. Vor acht Jahren, kurz nach dem Krieg im Libanon, erwischte ein Pressefotograf den damaligen Verteidigungsminister Amir Peretz in jener unglücklichen Sekunde, derer es bedurfte, bis ihm seine missliche Lage bewusst wurde. "Peretz ist blind", hieß es danach. Sogar Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah gereichte der Fauxpas zum Spott.

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US-Präsident Barack Obama hingegen behielt bei einem Besuch an der koreanischen Demarkationslinie allzeit den Überblick.

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Der türkische Premier Ahmed Davutoğlu, hier bei einem Truppenbesuch an der syrischen Grenze, greift auf ein Standgerät zurück. Ergebnis: astreine Sicht.

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Irans Oberster Führer Ali Khamenei überlässt ebenfalls nichts dem Zufall.

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Und auch der russische Präsident Wladimir Putin versteht es ausgezeichnet, sich per Feldstecher Durchblick zu verschaffen. Eventuelle Fehler sind nicht dokumentiert. (red, 22.10.2015)

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