Innsbrucker Pensionisten erstochen: 45-Jähriger vor Gericht

21. Oktober 2015, 11:29
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Nachbar bekannte sich schuldig

Innsbruck – Im Fall eines in einer Innsbrucker Wohnung erstochenen Pensionisten (63) im November des vergangenen Jahres hat sich am Mittwoch am Landesgericht Innsbruck der 45-jährige Nachbar des Getöteten wegen Mordes und Brandstiftung verantworten müssen. Der Angeklagte bekannte sich vor Richter Andreas Mair schuldig.

Unter Tränen schilderte der Beschuldigte den Tathergang. Er habe seinen Nachbar, den Hausmeister der Wohnanlage, besucht, um mit ihm über einen Brand in der Tiefgarage, der wenige Tage zuvor gelegt worden war, zu reden. "Ich weiß nicht mehr, warum ich zugestochen habe", meinte der Angeklagte. Auch daran, dass er zwei Messer verwendet habe und insgesamt 13-mal zustach, könne er sich nicht mehr erinnern.

Als er den leblosen Körper seines Nachbars gesehen habe, sei er jedoch in Panik geraten und habe versucht, die Spuren zu verwischen, und deswegen ein Feuer gelegt. "Ich wollte aber nicht, dass ein großer Brand entsteht, meine Familie wohnt ja im selben Haus", beteuerte der 45-Jährige. Nach der Tat habe er vergessen oder verdrängt, was geschehen war.

Alkohol und Benzodiazepin

Der Pensionist starb laut einem gerichtsmedizinischen Gutachten an erheblichem Blutverlust. Den Brand, den der Beschuldigte nach der Tat entfacht haben soll, habe das Opfer nicht mehr erlebt. "Im Körper des Mannes konnte kein Kohlenmonoxid festgestellt werden, dies bedeutet, dass der Brand erst nach Todeseintritt gelegt wurde", meinte der Mediziner. Außerdem habe es keinerlei Hinweise auf mögliche Kampfhandlungen gegeben.

Verteidiger Markus Abwerzger zeichnete in seinem Eröffnungsplädoyer ein Bild eines schwer alkohol- und tablettenabhängigen Mannes. "Zum Tatzeitpunkt hatte mein Mandant rund 1,5 Promille", sagte Abwerzger. Eine toxikologische Untersuchung des Angeklagten ergab, dass der 45-Jährige zum Tatzeitpunkt rund 1,7 Promille Alkohol im Blut gehabt haben dürfte. Außerdem habe im Blut des Beschuldigten eine sehr hohe Konzentration an Benzodiazepinen (Anm. Wirkstoff in Schlaf- und Beruhigungsmitteln) nachgewiesen werden können, erklärte die Gutachterin. Der Rechtsanwalt stellte die Zurechnungsfähigkeit seines Mandanten zum Tatzeitpunkt infrage.

Der 63-jähriger Pensionist war am 14. November 2014 im Zuge von Löscharbeiten nach einem Brand tot in seiner Wohnung in der Innsbrucker Reichenauer Straße gefunden worden. In der folgenden Nacht war der 45-Jährige in einer Pizzeria nahe dem Wohnhaus festgenommen worden. Die Leiche des Pensionisten wies insgesamt 13 Schnitt- und Stichverletzungen auf. (APA, 21.10.2015)

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