Deutsche sollen bei IS gefoltert haben

21. Oktober 2015, 06:58
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Spezialeinheit soll Deserteure und Abweichler getötet haben

Berlin – Mehrere deutsche Jihadisten sind nach Angaben eines Syrien-Rückkehrers bei einer Spezialeinheit der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) an Folterungen und Morden beteiligt gewesen. In der syrischen Stadt Manbij seien mehrere Deutsche in einer "Sturmtrupp" genannten Abteilung beschäftigt gewesen, die für die Festnahme von sogenannten Abweichlern und Deserteuren zuständig gewesen sei.

Das sagte der Rückkehrer Nils D. laut einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Rechercheverbunds aus "Süddeutscher Zeitung" und den Sendern NDR und WDR.

Nils D., der aus der Salafisten-Szene in Dinslaken-Lohberg in Nordrhein-Westfalen stammt, war demnach von Oktober 2013 bis November 2014 in Syrien. Acht dieser dreizehn Monate habe er in dem "Sturmtrupp" verbracht, der vom deutschen Generalbundesanwalt als "Abteilung Innere Sicherheit" der IS-Miliz bezeichnet werde.

"Hinrichtungsmarktplatz"

Laut dem Bericht sagte Nils D. aus, an zehn bis 15 Festnahmen beteiligt gewesen zu sein. Gefangene seien durch Folter zu Geständnissen gezwungen worden, auf einem "Hinrichtungsmarktplatz" hätten regelmäßig Erschießungen und Enthauptungen stattgefunden. Einmal habe er auch die Kreuzigung eines IS-Kommandanten gesehen, an dem ein Exempel statuiert werden sollte.

Im IS-Gefängnis in Manbij, in dem er zusammen mit anderen Deutschen eingesetzt gewesen sei, habe er eingekauft und gekocht, sagte er laut dem Bericht. An Hinrichtungen und Folterungen, die in dem Gefängnis an der Tagesordnung gewesen seien, sei er nicht beteiligt gewesen.

Repression auch gegen eigene Kämpfer

Nils D. war dem Bericht zufolge Ende 2014 nach Dinslaken zurückgekehrt und wurde nach einem abgehörten Gespräch festgenommen. Seine mehr als 20 Vernehmungen zeigen laut dem Rechercheverbund das Ausmaß der Repression in den Gebieten unter Kontrolle der IS-Miliz, die sich nicht nur gegen die Zivilbevölkerung, sondern auch gegen eigene Kämpfer richte.

Laut Nils D. bedurfte es einer besonderen Empfehlung, um zum IS-Geheimdienst zu gelangen. Auf der Straße seien die Angehörigen nur vermummt aufgetreten. Im Jänner soll vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht der Prozess gegen Nils D. beginnen. Wegen seiner Aussagen über andere deutsche IS-Kämpfer soll er in anderen Verfahren als Zeuge auftreten, etwa vor dem Oberlandesgericht in Celle, wo zwei Wolfsburger Syrien-Rückkehrern der Prozess gemacht wird. (APA, 21.10.2015)

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