Zweigelt: Rotburger mit Nachgeschmack

Kolumne28. Oktober 2015, 12:18
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Es ist nie zu spät, Fehler zu korrigieren – Beim Blauen Zweigelt wäre es zumindest angebracht

Manche Weine hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack, zum Beispiel der Zweigelt, der aus unverständlichen Gründen immer noch so heißt, benannt nach seinem Erfinder, Dr. Fritz Zweigelt. Das Interesse des Insektenforschers galt nicht nur Blattläusen, sondern auch dem Wein. 1922 züchtete er eine Kreuzung aus Blaufränkisch und Saint-Laurent, die er Rotburger nannte.

Der Schmetterlingssammler und mäßig begabte Hobbydichter war aber auch überzeugter Nazi. Schon 1933 trat er in die damals in Österreich noch verbotene NSDAP ein. Nach dem Anschluss 1938 wurde er prompt vom Rebenzüchter zum Leiter der Klosterneuburger Weinbauschule befördert. Neben den üblichen Schikanen gegenüber Juden hat er auch einen Schüler mit Verbindung zur Widerstandsbewegung an die Gestapo ausgeliefert. Nach Ende des Krieges wurde Fritz Zweigelt zwar als Direktor abgesetzt, erhielt aber bis zu seinem Tod zahlreiche Ehrungen.

1975 (!) hielt man es für angebracht, seine Rebzüchtung, den Rotburger, nach ihrem wenig ruhmreichen Schöpfer in Blauer Zweigelt umzubenennen: Treffender wäre wohl "Brauner Zweigelt" gewesen. Bis heute kann man sich von offizieller Stelle nicht dazu durchringen, diesen Fauxpas zu korrigieren und der Rebsorte ihren alten Namen zurückzugeben. Vielleicht würde man ihn dann auch lieber trinken. (Christina Fieber, RONDO, 28.10.2015)

  • Der Blaue Zweigelt heißt immer noch nach seinem Züchter.
    foto: epa/fredrik von erichsen

    Der Blaue Zweigelt heißt immer noch nach seinem Züchter.

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