AUA-Betriebsrat warnt erneut vor Eurowings

20. Oktober 2015, 18:17
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Der Bordbetriebsrat der Austrian Airlines (AUA) warnt erneut vor der Unterwanderung durch die neue Lufthansa-Billigschiene Eurowings

Wien/Frankfurt – Der Bordbetriebsrat der Austrian Airlines (AUA) warnt vor der Unterwanderung durch die neue Lufthansa-Billigschiene Eurowings, deren Europa-Zentrale in Wien angesiedelt wird. Vor allem junge Copiloten seien in einem Abhängigkeitsverhältnis, das der Lufthansa-Konzernvorstand "beinhart ausnützt", erklärte Betriebsratschef Karl Minhard am Dienstag in einem Hintergrundschreiben an Medienvertreter.

Die Lufthansa-Pilotenschule habe in den vergangenen Jahren 900 junge Piloten ausgebildet. Sie sind an den AUA-Mutterkonzern Lufthansa vertraglich gebunden. "Wenn sie woanders eine Anstellung annehmen, müssen sie ihre Ausbildungskosten von bis zu 70.000 Euro an die Lufthansa zurückzahlen", so Minhard. Die Pilotenlizenz MPL sei einzig auf die Lufthansa zugeschnitten.

Dazu komme, dass viele Kapitäne von Air France oder Air Berlin um ihren Arbeitsplatz bangen und viele europäische Piloten, die derzeit für Fluggesellschaften in China, in den Golfstaaten oder bei Turkish Airlines fliegen, nach Europa zurückkehren wollen – "selbst zu einem niedrigeren Gehalt".

Die AUA sei derzeit nicht gefährdet, da das Lohnniveau im neuen AUA-Kollektivvertrag dem von Eurowings ähnlich sei, es gebe allerdings bei Eurowings weniger Gehaltssprünge und keine KV-Regelung zu Arbeitszeiten. Das Eurowings-Gehaltsniveau liege ungefähr ein Drittel unter dem der Lufthansa-Piloten. Minhard befürchtet aber, dass Strecken von der AUA zu Eurowings ausgelagert würden und nennt als Beispiele die ab Wien angekündigten Eurowings-Ziele Barcelona, Rom und Mallorca. Am 9. November soll das erste Eurowings-Flugzeug mit Basis in Wien und österreichischer Zulassung abheben.

Den Standort Wien für Eurowings Europe relativiert der Belegschaftsvertreter. Das Eurowings-Büro am Flughafen Wien im Lufthansa-Trainingsbereich bestehe aus Internetanschluss und Briefkasten. "Wenn nun eine solche österreichische Briefkastenfirma in Deutschland Produktion von einer gleichnamigen Schwesterfirma übernimmt, dann wirft das massive arbeitsrechtliche Fragen auf, die das gesamte Projekt Eurowings gefährden können", warnt Minhard und liefert damit auch seine Erklärung, warum die AUA die zwei Eurowings-Flieger, die in Wien stationiert werden sollen, nicht bereedert. Es sei entschieden worden, dass Eurowings in Österreich tatsächlich von eigenen Piloten geflogen werden soll, um ihr damit eine rechtliche Legitimation zu geben. Einen Kollektivvertrag soll es bei Eurowings nicht geben.

Der neue AUA-Chef Kay Kratky hatte kürzlich entschieden, dass die AUA nicht wie geplant für die zwei Wiener Eurowings-Flieger das Bordpersonal stellt. Im Gegenzug solle die AUA von der Lufthansa mit zwei Airbus A320 Flugverkehr zwischen Österreich und Deutschland übernehmen. Minhard bezweifelt, dass das möglich ist. Die deutsche Pilotengewerkschaft Cockpit habe im Gegenzug zu Zugeständnissen bei Germanwings eine Mindestquote beim Nachbarschaftsverkehr ausgehandelt, um eine Auslagerung von Lufthansa-Strecken an Austrian und Swiss zu verhindern. Laut AUA-Management gibt es bei den Quoten aber noch Spielraum für die AUA.

Dass sich die Lufthansa bei der europaweiten Expansion von Eurowings für eine österreichische Betriebsgenehmigung (AOC) entschieden hat, begründet Minhard mit einem Wettbewerb unter den europäischen Luftfahrtbehörden. In Österreich bekomme man leicht eine Zulassung, das sei historisch bedingt. Auch Irland sei beliebt, die Billigflieger Ryanair und Norwegian melden dort einen Großteil ihrer Flieger an.

Der AUA-Betriebsrat verweist in dem Schreiben auch auf die Anstellungsmodelle, mit denen die großen europäischen Billigfluglinien unter anderem Steuern sparen. Norwegian stelle die Piloten in Thailand mittels einer Personalleasingfirma in Singapur an und Ryanair verwende eine Konstruktion, bei der Piloten eigene Ich-AGs gründen, um über Personalleasing-Firmen ihre Arbeitsleistung an die Airline zu verkaufen. Bei Germania in Deutschland würden junge Piloten sogar dafür zahlen, dass sie für die Fluglinie arbeiten dürfen. Auch EasyJet nütze das Faktum, dass junge Piloten ohne Flugstunden keine Chance am freien Arbeitsmarkt haben, aus. (APA, 20.10.2015)

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