"Mit einem Hintern auf drei Kirtagen"

20. Oktober 2015, 17:01
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Kapitän Stefan Koubek ist auch ohne Daviscup nicht fad – Tennisgenuss in Wien

Wien – Im Leben des Stefan Koubek ist Ruhe eingekehrt. Keine 30 Wochen mehr im Jahr Fliegerei rund um den Globus, kein Jetlag, weniger Rückenschmerzen. "Ich tanze zwar mit einem Hintern immer noch auf drei Kirtagen, bin aber endlich zu Hause", sagt der 38-jährige Kärntner. Koubek ist als Daviscup-Kapitän vom Österreichischen Tennisverband (ÖTV) um ein Jahr bis Ende 2016 verlängert worden, er analysiert für den ORF. Hauptsächlich arbeitet er aber neuerdings als Leiter in einem großen Tennisgeschäft in Wien. "Ich versuche, den Laden zu schmeißen, bin Mädchen für alles. Vom Verkaufen, Organisieren, Improvisieren bis hin zum Saubermachen."

Zwischendurch schaut Stefan Koubek natürlich in der Wiener Stadthalle beim Tennisturnier vorbei. Auch wenn die größten Namen der ATP-Tour fehlen, bestehe kein Grund zum Jammern. "Das ist ein unglaublich gutes Starterfeld." Koubek ist ein Freund Roger Federers, des aktuell Dritten der Rangliste. Hätte er dem Schweizer Wien nicht schmackhaft machen können? "Roger hat einen Plan, weiß genau, was er macht. Man kann ihm nicht ins Gewissen reden. Da wäre schon ein größerer Aufwand nötig gewesen."

Dass die Erste Bank Open zu einer Aufschlagorgie ohne längere Ballwechsel verkommen und den Zuschauern fad wird, wenn John Isner, Kevin Anderson oder der kroatische Ass-Weltrekordler Ivo Karlovic anrücken, befürchtet Koubek nicht. "Der Boden ist langsamer als in den Vorjahren, die Bälle springen nicht so hoch auf. Es ist aber sinnlos, darüber zu philosophieren. In Wimbledon kommen Aufschlagkanonen auch nicht automatisch ins Finale."

Dass Wien dennoch ein "sehr schwieriges" Tennisturnier ist, weiß Stefan Koubek aus eigener Erfahrung. Elf Mal schmückte er das Stadthallenturnier, ein Semifinale (2001) war das höchste der Gefühle. Im Viertelfinale schlug er den damals Weltranglisten-Zwölften Federer. Über Potenzial im Nachwuchs freut sich Koubek. Der 22-jährige Dennis Novak sei ein Versprechen für die Zukunft. Schade findet Koubek, dass einige Talente zur Qualifikation gar nicht auftauchten, es gab zwei Freilose in Runde eins. "Sie rechnen sich bei einem Future mehr aus als bei einem 500er-Turnier. Chancen wären da gewesen, sich in Wien zu präsentieren."

Stefan Koubeks Lebenskonstante bleibt Tennis. Im Sommer spielt er Meisterschaft, "den Ehrgeiz verlierst du nie, du willst immer den letzten Punkt machen". Coachen kommt für den Vater eines zweijährigen Sohnes nicht in Frage. "Heute raucht mir in der Arbeit manchmal der Schädel, aber ich muss körperlich nicht mehr ständig an meine Grenzen gehen."(Florian Vetter, 21.10.2015)

  • Stefan Koubek schlug einst Roger Federer in Wien.
    foto: ap/ hans punz

    Stefan Koubek schlug einst Roger Federer in Wien.

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