Effiziente Fischleitern und Energie aus Serverabwärme

26. Oktober 2015, 11:10
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Staatspreis für Umwelt- und Energietechnologie für neues Fischleiter-System und Plus-Energie-Gebäude

Wien – Wenn Wasserfälle, Stauwehre oder Kraftwerke Fischen den Weg versperren, sollen Fischleitern ihnen den Auf- und Abstieg erleichtern: Stufenförmige Wasserläufe ermöglichen Fischen und anderen Bewohnern von Fließgewässern, bauliche und natürliche Hindernisse zu passieren. Um derartige Einrichtungen energetisch nachhaltig zu konstruieren, hat der gelernte Maschinenschlosser Walter Albrecht eine Drehrohr-Doppel-Wasserkraftschnecke entwickelt. Seine Erfindung wurde letzten Freitag in der Kategorie Umwelt und Klima mit dem Staatspreis für Umwelt- und Energietechnologie prämiert. Insgesamt vergaben Lebens-, Wissenschafts- und Verkehrsministerium Preise in drei Kategorien.

"Durch Fischleitern fließt viel Wasser, das eigentlich zur Energiegewinnung verwendet werden könnte, einfach ab", sagt Albrecht. Diese Energie will er nutzen. Zudem sieht er Nachholbedarf beim ausreichenden Schaffen von Abstiegsmöglichkeiten für Fische, die nach dem Laichen wieder flussabwärts schwimmen und dabei allzu oft Opfer der Turbinen von Wasserkraftwerken werden. Seine Idee wurde auch aus Anlass einer EU-Richtlinie geboren, die vorsieht, dass ab 2021 alle Gewässer durchlässig für Fische sein müssen – in beide Richtungen.

Kollisionsfreier Fischweg

Die Funktionsweise der Drehrohr-Doppel-Wasserkraftschnecke ist rasch erklärt: In einem Rohr befinden sich zwei Schnecken, die in unterschiedliche Richtungen gewunden sind. Über die äußeren Windungen fließt das Wasser nach unten und erzeugt Strom. Der innere Teil der Schnecke transportiert einen Teil des Wassers nach oben – und mit ihm die Fische. Bei nur 20 Umdrehungen pro Minute droht den Fischen keine Kollision mit der Schnecke.

Fischökologische Monitorings der Universität für Bodenkultur (Boku) bestätigten die Wirksamkeit des Systems. "Die Anfragen aus allen EU-Ländern sind in letzter Zeit sprunghaft angestiegen", sagt Albrecht.

Der Umbau eines Standorts der TU Wien am Getreidemarkt zu einem sogenannten "Plus-Energie-Hochhaus" wurde in der Kategorie Forschung und Innovation prämiert. Das zentrale Ziel: mehr Energie ins Stromnetz einspeisen, als daraus bezogen wird. Primär versorgt sich das Gebäude nun mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage, aber auch mit Energie aus der Serverabwärme und der Aufzugsanlage.

Der Preis in der Kategorie Energie und Effizienz wurde für kaskadische Wärmenutzung vergeben: Durch einen Umbau des Klimasystems in einem großen oberösterreichischen Schlachtbetrieb gelang es dem technischen Leiter Alexander Schumergruber und David Wöss von der Boku, den Verbrauch fossiler Energie um 80 Prozent zu senken. (David Tiefenthaler, 26.10.2015)

  • Fischleitern ermöglichen Fischen, bauliche und natürliche Hindernisse zu überwinden. Diese Aufnahme zeigt eine in Bau befindliche Fischtreppe bei einem Kraftwerk in Rheinfelden in der Schweiz.
    foto: apn / winfried rothermel

    Fischleitern ermöglichen Fischen, bauliche und natürliche Hindernisse zu überwinden. Diese Aufnahme zeigt eine in Bau befindliche Fischtreppe bei einem Kraftwerk in Rheinfelden in der Schweiz.

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