Typisch Frau: Burschen meiden Jobs in der Pflege

20. Oktober 2015, 15:45
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Es gibt sie weiter, die typisch männlichen und die typisch weiblichen Berufe. Pflege und Pädagogik sind gut sichtbar weiblich. Es fehlen Vorbilder für die jungen Herren, sagt eine aktuelle Studie

Das AMS (Arbeitsmarktservice) ist in einer Forschungsarbeit der Frage nachgegangen, was Burschen und junge Männer daran hindert, sich für einen Beruf in der Erziehung oder Betreuung zu entscheiden. Unter anderem scheint es etwa an entsprechenden Vorbildern zu fehlen. Begrüßt werden Initiativen wie der Boys' Day.

Die aktuelle Studie nahm Bezug auf eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene EU-weite Studie, in der die Rolle von Männern im Prozess der Geschlechtergleichstellung analysiert wurde. Ein Blick auf den Arbeitsmarkt zeige dabei, dass sich die Geschlechtersegregation sowohl EU-weit als auch in Österreich hartnäckig hält. Ungeachtet vieler Veränderungen, gebe es weiterhin die "männlich" bzw. "weiblich" konnotierten Berufsfelder, heißt es in dem Papier.

Weniger Beute, mehr Frauen

Auf die Frage, warum Burschen und junge Männer sogenannte "Care-Berufe" – also weiblich dominierte Jobs in den Bereichen Erziehung oder Betreuung – meiden, wurden unterschiedliche Gründe herausgearbeitet. Die Studienautorin verwies etwa auf das Ernährer-Modell: Die Einkommen, Aufstiegschancen und Arbeitsbedingungen im Pflege- und Erziehungsbereich seien in den meisten europäischen Ländern wenig attraktiv; Es verwundere daher nicht, dass junge Männer wenig Motivation haben, einen "männeruntypischen" Beruf überhaupt in Betracht zu ziehen.

In einer Befragung von Schülern über deren Eindruck zum geringen Männeranteil in Kindergärten meinten diese etwa, Männer würden "in diesem Beruf oft belächelt" (85 Prozent), das "Gehalt sei zu niedrig" (80 Prozent) oder auch "weil dort nur Frauen arbeiten" (63 Prozent). Männer seien in diesen Berufsfeldern zuweilen mit Vorurteilen und Unsicherheiten konfrontiert, die den Einstieg in diesen Job mit hoher Wahrscheinlichkeit erschweren. Nicht außer Acht zu lassen sei auch der Einfluss naher Bezugspersonen wie Eltern oder Lehrer.

Viel zu tun und zu zeigen

In vielen Ländern Europas werde der niedrige Anteil von Burschen etwa in der Pädagogik oder im Gesundheits- und Sozialwesen auch mit der geschlechtertypischen Berufsberatung und einem Mangel an männlichen Vorbildern in Verbindung gebracht. Die Studienautorin verwies in diesem Zusammenhang auf den in Deutschland und Österreich etablierten Boys' Day. Ziel dieser Initiative ist es, die Potenziale und Fähigkeiten der Burschen für "Care-Berufe aufzeigen" und generell die Gesellschaft zu sensibilisieren. (APA, kbau, 20.10.2015)

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