RBI will Verkaufsprozess für Polen-Tochter neu starten

20. Oktober 2015, 14:42
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Verkaufsprozess soll nach Parlamentswahl in Polen neu beginnen – Bankchef Sevelda "nicht unzufrieden" mit Konzernumbau bisher

Wien – Die Raiffeisen Bank International (RBI) treibt ihren breit angelegten Konzernumbau voran und will die Hindernisse für einen Verkauf der Polen-Tochter ausräumen. Um die Polbank attraktiver zu machen, bereitet RBI-Chef Karl Sevelda nun die Veräußerung der Bank ohne das milliardenschwere Schweizer-Franken-Kreditportfolio vor, wie er am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten sagte. "Eine mögliche Lösung ist, dass wir das Schweizer-Franken-Portfolio ausgliedern und dann die restliche Bank – die dann noch immer eine Bilanzsumme von über zehn Milliarden Euro hätte – verkaufen." Den Verkaufsprozess will der Bankchef nach der Parlamentswahl in Polen am kommenden Sonntag neu aufrollen. Den Abschluss des Geschäfts erwartet Sevelda im kommenden Jahr.

Das Schweizer-Franken-Kreditportfolio soll in eine Einheit ausgegliedert werden, die möglicherweise keine Bankenkonzession mehr benötigt. Der polnische Regulator stehe dem Vorhaben laut Sevelda "fördernd gegenüber". Nach dem Verkauf soll das Institut zu 15 bis 25 Prozent an die Warschauer Börse gebracht werden. Die Polbank hatte zum Halbjahr Franken-Kredite im Volumen von 3,2 Milliarden Euro ausstehen. Da die polnische Regierung Zwangsmaßnahmen zur Umwandlung der Darlehen in die Lokalwährung Zloty beschließen will – was die Banken teuer zu stehen kommen würde – ist der Verkaufsprozess der Polbank ins Stocken geraten. Einige Interessenten, wie etwa spanische und französische Banken, haben sich laut Sevelda deswegen zurückgezogen. Der polnische Gesetzesentwurf sieht vor, dass die Kreditnehmer ihre Schulden zu für sie günstigen Kursen in der Lokalwährung Zloty begleichen dürfen – die Kosten von rund 5,6 Milliarden Euro sollen die Finanzinstitute tragen. "Die Banken leiden enorm, wir sind Spielball der Politik geworden", kritisierte Sevelda.

RBI sieht sich auf Kurs

Trotz der Hindernisse in Polen sieht sich die Osteuropa-Tochter des österreichischen Raffeisen-Sektors auf Kurs bei ihrem Konzernumbau. "Wir befinden uns momentan im ersten Drittel der Implementierung dieses Programms. Ich bin mit dem Verlauf bislang nicht unzufrieden", sagte Sevelda. Ziel sei weiterhin, bis Ende 2017 eine harte Kernkapitalquote von zwölf Prozent zu erreichen. "Vielleicht schaffen wir es auch schon früher", sagte er. Zum Ende des ersten Halbjahres lag diese bei 10,7 Prozent. Alles zwischen neun und zwölf Prozent betrachte die Europäische Bankenaufsicht (EBA) als akzeptabel, unter neun Prozent als schwach und über zwölf Prozent als gut, sagte Sevelda.

Um das Ziel zu erreichen, muss die RBI auf die Kostenbremse treten. Vor allem die Risikokosten machen dem Bankchef noch Kopfzerbrechen. "Zweifellos ist das Risikoergebnis bislang unbefriedigend". Das Unternehmen hatte sich mit einer jahrzehntelangen Expansion zum zweitgrößten Kreditgeber in Osteuropa hochgearbeitet. Im Vorjahr rutschte die RBI aber mit einem Minus von beinahe 500 Millionen Euro erstmals in die roten Zahlen. Danach wurde der Sparstift angesetzt und beschlossen, sich von Teilen des Auslandsgeschäftes zu trennen. Auf der Bremse stehen will Sevelda in den nächsten Jahren auch bei den Ausschüttungen. "Für 2015 zahlen wir keine Dividende und für 2016 maximal eine kleine." (Reuters, 20.10.2015)

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