Hunderte Südkoreaner treffen ihre Angehörigen in Nordkorea

Ansichtssache20. Oktober 2015, 17:31
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Nordkorea erlaubt wieder Familienbegegnungen. In den 65 Jahren seit dem Koreakrieg hatten die zerrissenen Familien in dem gespalteten Land einander nicht gesehen. Sie wussten nicht einmal, ob ihre Liebsten noch leben

Viele Südkoreaner, die nur vor dem Fernseher sitzen, weinen in diesen Tagen voller Rührung, Mitleid und Freude mit. Sie können die ersten Bilder und Berichte ihrer hochbetagten Landsleute mitverfolgen. "Vater, ich bin es, dein Sohn", hörten sie den 65-jährigen Chae Hee-yang aus Südkorea sagen, als er den fassungslosen 88-jährigen Greis Chae Hoon-sik umarmte. Was sie einander noch zu sagen hatten, ging im Schluchzen der beiden alten Männer unter. Der Jüngere war noch ein Baby, als sie im Koreakrieg 1950 bis 1953 so wie hunderttausende andere koreanische Familien getrennt wurden. Am Dienstag sahen sie einander in der nordkoreanischen Bergregion Kumgang wieder. All die Jahrzehnte waren Besuche ebenso unmöglich wie Briefwechsel, geschweige denn Telefonate und E-Mail, schrieb Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap.

Nach Wochen ungewisser, immer wieder vom Scheitern bedrohter Verhandlungen hatten sich Süden und Norden auf eine neue Runde der Familienbegegnungen geeinigt. Zu den ausgewählten Glücklichen gehörten 389 Südkoreaner aus 96 Familien. Sie durften in einer Kolonne von 16 Bussen zum Ferienresort fahren, wo 141 ihrer Familienmitglieder aus Nordkorea warteten. Zwölf Stunden dürfen sie einander bis Donnerstag sehen, auch miteinander essen, verteílt auf drei Tage und jeweils nur zwei Stunden lang. Eine zweite Runde für 255 Südkoreaner und 188 ihrer in Nordkorea lebenden Familienmitglieder beginnt am Samstag.

Alles ist vorbereitet und organisiert. Die Südkoreaner sind instruiert worden, wie sie sich zu verhalten haben. Sie werden von Nordkoreanern unter dem Zeichen des Roten Kreuzes überwacht. Nur der Moment, in dem sich Brüder und Schwestern, Väter, Mütter und Kinder umarmen, ihre faltigen Gesichter streicheln und die Köpfe aneinandergedrückt weinen, gehört ihnen. Die meisten haben erst, als sie benachrichtigt wurden, erfahren, dass ihre als vermisst gemeldeten Angehörigen noch leben. Sie wussten nicht einmal, wie sie aussehen. Der 82-jährige Lee Joo-kuk aus Südkorea, der seinen älteren Bruder treffen sollte, berichtete den Nachrichtenagenturen, er habe die ganze Nacht nicht schlafen können. Als er hörte, dass sein Bruder noch lebt und er ihn treffen würde, war es wie "eine Auferstehung von den Toten".

Die Bilder wurden in ganz Asien gezeigt. Die Emotionen, die sie weckten, ließen einen Moment lang die üblichen Konflikte vergessen. Sie rührten Japaner wie Chinesen. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, sagte: "China ist hocherfreut, diese Familienzusammenführungen zu sehen."

Die neuen Begegnungen kommen nach 20 Monaten des Stillstands und Wartens seit der letzten Gelegenheit im Februar 2014. Nordkorea spielt die kalkulierte humanitäre Geste zynisch aus. Fast 130.000 Südkoreaner aus zerrissenen Familien hatten sich nach dem Jahr 2000 registrieren lassen. Pjöngjang und Seoul hatten sich damals auf einem historischen Gipfel zwischen Nord und Süd erstmals auf die Familientreffen verständigen können. Seither kam es für immer nur wenige hunderte Glückliche zu 19 Runden direkter Begegnungen und zu sieben Videotreffen, bei denen sie einander wenigstens sehen konnten.

Es wird Buch geführt. Bisher konnten sich 18.800 Verwandte auf beiden Seiten sehen. Inzwischen sind die Hälfte der Südkoreaner auf der Warteliste gestorben, ohne ihre Lieben wiedergesehen zu haben. 66.000 warten noch. Von Nordkorea gibt es keine solchen Zahlen. Die Agentur Yonhap schilderte ein besonders anrührendes Familientreffen. "Ich werde endlich meinen Mann sehen können", sagte die 84-jährige Lee Soon-kyu der Agentur. Vor 65 Jahren wurde sie von ihrem heute 83-jährigen Mann Oh In-se getrennt. Die Frau reist mit ihrem 65-jährigen Sohn Oh Jang-kyun an. "Ich werde meinen Vater treffen. Dann möchte ich meine Eltern zusammen fest an mich drücken." (Johnny Erling, 20.10.2015)

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